Sport : Der Ball ist korrupt

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Robert Ide über das neue Bild

von der FußballWM 2006

Scheinrechnungen, Bestechungsgelder, verschobene Bauaufträge – bereitet sich München so auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 vor? Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt; und alle Indizien, die die Ermittler vorgelegt haben, legen den Verdacht der Korruption nahe. Die Geschäftsstellen der Bundesligisten 1860 München und FC Bayern wurden durchsucht, der Präsident von 1860, Karl-Heinz Wildmoser, und sein gleichnamiger Sohn, der Geschäftsführer der Münchner Stadiongesellschaft, wurden verhaftet. Sie sollen die Vergabe des Bauauftrags für das teuerste WM-Stadion mit der Hilfe zweier Strohmänner manipuliert haben. Wenn das stimmt, wird der deutsche Fußball von einem Skandal in bislang ungekanntem Ausmaß erschüttert.

Das Sportereignis des Jahres, ein gigantisches Kulturfest, ein Signal des Aufschwungs – das sollte die Fußball-WM 2006 werden. Nun droht schon zwei Jahre vor dem Anpfiff die quälende Aufarbeitung interner Finanzströme und öffentlicher Bauaufträge. Das tut der Vorfreude sicher nicht gut. Doch Aufklärung ist dringend geboten. Nur so kann das Land seinen Ruf als ordentlicher Organisator dieses wichtigen Ereignisses wahren.

Sport und Politik bilden nicht immer eine gute Allianz. Schon die Leipziger Bewerbung für Olympia 2012 wäre fast an fragwürdigen Provisionsgeschäften der Beteiligten gescheitert. Nun erscheint ein Ereignis, das bislang unbeschadet aussah und mit dem Kanzler Gerhard Schröder gerne warb, in einem schlechten Licht. Für die Organisatoren bedeutet das: Sie müssen ihre Geschäfte überprüfen lassen und öffentlich machen. Nur so lässt sich der Verdacht ausräumen, dass Kriminelle an der Fußball-WM verdienen.

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