Sport : Der bayerische Holländer

Der FC Bayern München einigt sich mit Alkmaar über einen Wechsel von Trainer Louis van Gaal

Sebastian Krass[München]

Am Ende löste sich alles in Harmonie auf – glaubt man zumindest der Prosa, die die Presseabteilung des FC Bayern am Mittwochabend veröffentlichte. Der komplette Vorstand des Vereins, Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und Karl Hopfner, hatten sich tagsüber auf in die Niederlande gemacht und dort, wie es hieß, „in angenehmer, ja freundlicher Atmosphäre mit dem Präsidenten von AZ Alkmaar, Dirk Scheringa, Generaldirektor Toon Gerbrands und Sportdirektor Marcel Brands Einigung über den Wechsel von Louis van Gaal nach München erzielt“. Was sich seit Tagen angedeutet hatte, ist also offiziell: Die Führung des neuen niederländischen Fußball-Meisters gibt den Widerstand auf und lässt seinen Trainer aus dem laufenden Vertrag. Am 1. Juli 2009 tritt van Gaal offiziell an der Säbener Straße seinen Dienst an. Der 57-Jährige erhält einen Zwei-Jahres-Vertrag.

Und da sich alle so lieb hatten, fand sich auch eine Einigung für die heikle Ablösefrage. Scheringa hatte stets auf eine Entschädigung gepocht, die Bayern stets betont, das komme nicht in Frage. Der klassische Ausweg aus einem solchen Dilemma heißt „Freundschaftsspiel“ oder besser: „Ablösespiel“.

Der FC Bayern gastiert voraussichtlich im Sommer 2010 in den Niederlanden. Alkmaar bekommt die erklecklichen Einnahmen, und so haben beide Seiten ihr Gesicht gewahrt. Man sei glücklich, „einen erfahrenen und erfolgreichen Fußballtrainer für den FC Bayern gewonnen zu haben“, erklärte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Louis van Gaal hat mit Ajax Amsterdam und dem FC Barcelona mehrere Meistertitel und Pokalsiege errungen. Höhepunkt seiner Karriere war der Gewinn von Champions League und Weltpokal mit Ajax Amsterdam anno 1995. Die niederländische Nationalmannschaft trainierte er von 2000 bis 2002.

Aus Norddeutschland dagegen kam am Abend eine Kunde, die die Bayernbosse unruhig machen dürfte. Nachdem seit Tagen widersprüchliche Zitate von vermeintlichen Beratern und Sprechern, auch vom Vater des brasilianischen Mittelfeldzauberers Diego kursieren, hat sich nun erstmals der Spieler von Werder Bremen selbst geäußert. Die „Kreiszeitung Syke“ zitiert Diego mit den Worten: „Ich bin mit Juventus Turin klar. Wenn sich die Klubs einig sind, dann werde ich auch sagen: Ich spiele nächste Saison bei Juventus Turin.“ Ein „Papier mit offiziellem Juventus-Zeichen“ sei aber noch nicht unterschrieben. Diego stellte den Abschluss des Geschäfts bis Freitag in Aussicht, behielt die Pokerkarten aber auf der Hand. „Nur wenn Werder mir sagen würde, es läge ein Angebot von den Bayern vor und ich solle mich bitte damit beschäftigen, dann würde ich das tun.“ Ein Satz, den man durchaus auch als Aufforderung an Bayern verstehen kann, schnell aktiv zu werden.

Auf wieder zunehmend heißer Flamme kochen zudem in München die Gerüchte um den FC Bayern und sein Interesse an Mario Gomez vom VfB Stuttgart. Nachdem die Bayernführung den Namen des Angreifers seit Monaten totgeschwiegen hatte, ließ Karl-Heinz Rummenigge ihn diese Woche in einem Interview fallen. Zwar sagte Mario Gomez am Rande des Schalke-Spiels: „Das ist alles im Moment kein Thema.“ Doch das Gerücht, in Wirklichkeit sei der Vertrag mit Bayern München schon unterschrieben, wurde am Mittwoch in München auch bereits kolportiert. Ob etwas dran ist oder nicht. Ein Ziel haben die Bayern schon erreicht: Unruhe in Stuttgart zu stiften, eineinhalb Wochen, bevor der VfB zum letzten Saisonspiel der Bundesliga in München antritt.

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