Sport : Der Beginn eines langen Sommers

Durch das 68:70 in Frankfurt beendet Alba Berlin zum zweiten Mal in Folge eine Saison früher als geplant

Benedikt Voigt[Frankfurt/Main]

Die letzte Aktion der Saison 2004/2005 gehörte Gerald Brown. Der Aufbauspieler von Alba Berlin tippte den Ball in den Korb, doch auf der Uhr waren zu diesem Zeitpunkt nur 0,4 Sekunden verblieben. Zu wenig für Alba Berlin, um das Ende dieser Spielzeit noch zu verhindern. Die meisten der 5000 Zuschauer in der Frankfurter Ballsporthalle jubelten bereits, und der Hallensprecher schrie wenig später euphorisiert in sein Mikrophon: „Finale, oh-oh.“ Das gilt freilich nicht für Alba Berlin. Das Basketballteam verlor gegen die Opel Skyliners 68:70 – und damit auch die Halbfinalserie um die Deutsche Meisterschaft mit 1:3. Die Frankfurter hatten sich auch im letzten Spiel als das nervenstärkere Team präsentiert und treffen nun im Finale auf Bamberg. In Chris Williams und Tyrone Ellis stellten sie die dominierenden Spieler dieser Serie. Ein Lichtblick für Alba im gestrigen Spiel war Martynas Mazeika, der seine Mannschaft nach einem Rückstand von 19 Punkten in der ersten Halbzeit wieder herangeführt hatte.

Für Alba endet zum zweiten Mal in Folge eine Saison mit einer Enttäuschung. Bereits im vergangenen Jahr war der einstige Seriensieger im Halbfinale an Bamberg gescheitert. Diesmal erwies sich der Meister aus Frankfurt als stärker. „Das wird ein langer Sommer“, sagte Albas Teammanager Henning Harnisch angesichts der frühzeitig beendeten Saison. Alba blickt zurück auf eine Spielzeit, in der das Team keines seiner Ziele erreicht hat. Nach dem frühen Aus im Uleb-Cup, scheiterten die Berliner auch in Pokal und Meisterschaft. Zudem wollte der Klub wieder zurück in die Europaliga, doch nach dem gestrigen Aus müssen sich die Berliner in der kommenden Saison erneut mit dem Uleb-Cup anfreunden.

Die 200 mitgereisten Fans von Alba Berlin riefen zu Spielbeginn: „Zwei zu Zwei“. Doch ihre Mannschaft trat nach einer Führung zu Beginn sehr nervös auf. Im ersten Viertel erzielten die Berliner nur elf Punkte, doch das war noch nicht der Tiefpunkt. Die gesamte erste Hälfte des zweiten Viertels blieben die Berliner ohne Punkt. Albas Spieler präsentierten eine Vielzahl an Unzulänglichkeiten. Mehrfach überschritten die Berliner die zulässige Angriffszeit von 24 Sekunden, ein Dreipunktewurf berührte noch nicht einmal den Ring und schließlich dribbelte sich Tanel Tein auch noch den Ball auf den Fuß. Beim Stand von 11:30 schien das Ende der Saison bereits nach 15 Minuten nah. Dann beendete Tanel Tein mit einem erfolgreichen Dreipunktewurf die punktelose Zeit, und Trainer Henrik Rödl wechselte Martynas Mazeika ein. Er sollte die Hilfe im Angriff werden, die Alba dringend benötigte.

Der 20-Jährige hatte in dieser Serie mangels Spielzeit noch keine Akzente setzen können. Diesmal erhielt er vier Minuten zum Ende des zweiten Viertels. Und die hatten es in sich. In der Verteidigung nervte der Litauer den US-Amerikaner Tyrone Ellis, im Angriff tat er sich erst durch drei verwandelte Freiwürfe hervor, dann traf er einen Dreipunktewurf, und vier Sekunden vor der Halbzeitpause lief er sich in der Ecke des Basketballfeldes frei – und traf mit der Schlusssirene. Eine 21:4-Aufholjagd hatte ein Ende gefunden, das Spiel war wieder offen: 32:34.

Auch in der zweiten Halbzeit holten die Berliner einen Rückstand (40:50) auf. Doch Pascal Roller und Mladjen Slivancanin brachten Frankfurt mit zwei Dreipunktewürfen wieder in Führung, Bernd Kruel erhöhte Albas Rückstand auf acht Punkte. Konnte Alba noch ein drittes Mal zurückkommen? Es schien so: Ein Dreipunktewurf von Stefano Garris und zwei Punkte von Jovo Stanojevic brachten Alba 90 Sekunden vor dem Ende auf 63:66 heran. Die Dramatik hatte ihren Höhepunkt erreicht, die besseren Nerven mussten entscheiden. Albas Jovo Stanojevic hatte sie nicht, er verfehlte mit zwei Freiwürfen das Ziel. Pascal Roller machte es besser, doch Garris brachte Alba mit einem Dreipunktewurf auf 66:68 heran. Und plötzlich traf auch Roller seine Freiwürfe nicht mehr. Zehn Sekunden vor Ende hatte Garris mit einem Wurf aus der Nahdistanz die Chance, die Verlängerung zu erzwingen. Doch der Ball prallte vom Ring zurück ins Feld und tanzte durch unzählige Finger, bevor er schließlich in Frankfurter Händen landete. Vielleicht war das die Szene, die eine von vielen Widrigkeiten geprägte Saison am besten wiedergab.

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