Sport : Der bekannte Unbekannte

Andreas Klöden fährt in dieser Saison hinterher – dennoch soll er Jan Ullrich zum Tour-Sieg verhelfen

Mathias Klappenbach

Berlin - Wie der Trainingsplan im Detail aussieht, weiß Walter Godefroot nicht. Andreas Klöden bringt sich derzeit allein mit seinem persönlichen Coach Thomas Schediwie in Form für den großen Höhepunkt des Jahres, auf den er seine ganze Saison ausgerichtet hat. Viel Zeit bleibt ihm dafür nicht mehr, denn in einer Woche geben die Verantwortlichen um Teammanager Godefroot den Kader von T-Mobile für die Tour de France bekannt, und bisher gibt es noch keine klare Äußerung des Radrennstalls, dass der Zweite der Tour des Vorjahres beim Start am 2. Juli überhaupt einen Platz hat.

Gewissheit über die Leistungsfähigkeit Klödens gibt es derzeit nicht, eher Hoffnung. „Ich habe Vertrauen in Andreas, dass er zum Tour-Start in Ordnung sein wird“, sagt Godefroot. Er berät jeden Tag mit Manager Olaf Ludwig und Sportdirektor Mario Kummer über die acht Fahrer, die es Jan Ullrich möglich machen sollen, endlich Lance Armstrong zu besiegen. Erik Zabel muss um seinen Platz bangen, weil er als Sprinter Ullrich nicht so viel helfen könnte. Bei Klöden hingegen gibt es Zweifel an seiner Stärke. Und an seiner Motivation. Im Frühjahr gab er bei der Valencia- und der Baskenland-Rundfahrt auf und absolvierte lieber ein vierwöchiges Spezialtraining. „Ich habe Fehler in der Vorbereitung gemacht“, sagte Klöden. Doch die Teamärzte stellten bei Leistungstests keine Defizite fest.

Nicht zum ersten Mal in Klödens Karriere wird über seine Einstellung diskutiert. Nachdem er im Jahr 2000 den Klassiker Paris – Nizza gewonnen hatte, erhielt er beim damaligen Team Telekom gleich einen Vertrag für drei Jahre – in denen er kein Profirennen mehr gewann. „Ich hatte große Probleme mit den Knien und dem Rücken. Das mit der fehlenden Moral haben Leute unterstellt, die davon nichts wussten“, sagt Klöden. Mit der Zeit und den enttäuschenden Leistungen habe er aber auch Zweifel an sich selbst bekommen.

Im vergangenen Jahr musste er dann um einen neuen Vertrag kämpfen, deshalb sei der überraschende zweite Platz bei der Tour eine große Genugtuung für ihn gewesen. Obwohl er diesen Erfolg in der Öffentlichkeit nicht immer ausreichend gewürdigt sah, sprach er vor dieser Saison davon, „viel motivierter zu sein, weil ich wieder weiß, was ich kann“. Ausgestattet mit einem neuen, hoch dotierten Vertrag sollte er neben Ullrich und Alexander Winokurow der dritte Top-Fahrer bei T-Mobile sein. Doch nach einem Etappensieg bei der Bayern-Rundfahrt kam in der vergangenen Woche ein erneuter Einbruch beim Kriterium Dauphiné Libéré. Auf zwei Flachetappen verlor er jeweils elf Minuten auf den vorne mitfahrenden Armstrong. Wieder hieß es, ihm fehle der nötige Biss. „Andreas ist ein extremer Typ. Entweder extrem gut oder extrem schlecht“, sagte der Sportliche Leiter Frans van Looy nach dem Rennen. „Wenn es nicht richtig läuft, lässt er einfach zu schnell die Ohren hängen.“

Teammanager Godefroot denkt, dass Klöden durch den Druck, sich für den Tour-Kader qualifizieren zu müssen, gehemmt ist. „Die Leistungen jetzt spielen keine Rolle, das ist Training. Es ist psychologisch wichtig für ihn, eine klare Rolle und Verantwortung zu haben. Und bei der Tour soll Andreas der wichtigste Helfer für Jan sein.“

Klöden wird wohl trotz seines Tiefs in der nächsten Woche nominiert werden. Walter Godefroot sagt: „Ob es richtig war, wissen wir erst, wenn die Tour vorbei ist.“

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