Sport : Der Berg ruft

Deutschland fehlt noch ein Punkt zur EM

Berlin - Ein lädiertes Kreuzband war schuld daran, dass Torsten Frings zehn Wochen lang nicht Fußall spielen konnte. Zehn Wochen – das ist eine halbe Ewigkeit für einen ungeduldigen Mann wie den Mittelfeldspieler von Werder Bremen. Nach zwei Einsätzen in Bundesliga und Champions League muss er am Samstag in Dublin auch in der Nationalmannschaft ran. Nicht als Motivator in der Kabine oder zum Daumendrücken auf der Tribüne. Frings soll die Mannschaft als Kapitän führen, weil die arrivierten Miroslav Klose, Bernd Schneider und Michael Ballack verletzungsbedingt fehlen. Ist das nicht ein bisschen viel Verantwortung für den Anfang? Der 30 Jahre alte Bremer guckt leicht irritiert. „Das werde ich nicht schaffen, in Irland mit der Binde am Arm rumlaufen zu müssen. Die wird zu schwer für mich sein. Ich bin ja ganz neu im Geschäft und habe erst ein paar Spiele gemacht“, gerade 68 in der Nationalmannschaft. Noch Fragen?

Frings’ schnoddriger Ton steht für die deutsche Unbekümmertheit vor den vier noch ausstehenen Qualifikationsspielen zur Europameisterschaft 2008 in der Schweiz und Österreich. Es ist der letzte Akt, aber nicht mehr der entscheidende einer Qualifikationsserie, die ganz im Zeichen der Deutschen stand. Einen Punkt brauchen sie noch für die Teilnahme an der Endrunde. Manager Oliver Bierhoff sagt: „Wir sind mal so optimistisch und behaupten, dass wir diesen einen Punkt aus vier Spielen auch noch holen werden.“ Am besten schon am Samstag im Croke Park zu Dublin bei den heimstarken Iren. Und selbstverständlich wollten die Deutschen in das Turnier gehen mit dem Anspruch, Europameister zu werden. Was denn sonst?

Am Dienstagabend hat sich die Mannschaft in Berlin getroffen, zur Einstimmung auf die „Bergtour 2008“, wie das Projekt Europameisterschaft bei Bundestrainer Joachim Löw heißt. 33 Spieler waren da, der Langzeitverletzte Michael Ballack war eigens aus London gekommen, um Zerstreuung im Kreis der Kollegen zu finden. Und um das verflixte Sprunggelenk im linken Fuß vom Nationalmannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt untersuchen zu lassen. Ballack reiste zurück zum FC Chelsea mit der Aussicht, dass er nach einem halben Jahr Pause in zehn Tagen wohl wieder ins Mannschaftstraining einsteigen kann. Neben dem Kapitän werden in Dublin auch Tim Borowski, Miroslav Klose, Philipp Lahm, Thomas Hitzlsperger und Christian Pander fehlen. Als bislang Letzte sagten gestern Roberto Hilbert und Bernd Schneider ab. Schneider wird zwar mit nach Dublin reisen, wegen einer Knieverletzung aber zwei Wochen ausfallen.

Manager Bierhoff kommentierte die personelle Situation mit staatsmännischem Lächeln und der Erwartung, es sei nun an anderen zu zeigen, wie wertvoll sie für die Nationalmannschaft sein können. Vielleicht ist das die größte Errungenschaft der bald eineinhalb Jahre währenden Amtszeit von Bundestrainer Joachim Löw: Die Nationalmannschaft ist nicht mehr abhängig von Individualisten. Sie spielt den von Löw verordneten Offensivfußball als taktische Einheit, die in sich funktioniert. Zum 2:1-Sieg vor ein paar Wochen in Wembley gegen England bedurfte es nur einer besseren B-Mannschaft. Einspruch, sagt Torsten Frings, es gebe kein A- oder B-Team, „wir sind alle eine Mannschaft“. Mal spielt sie ein bisschen besser, mal ein bisschen schlechter, aber fast immer auf einem Niveau, wie man es den Deutschen noch vor zwei Jahren nicht zugetraut hätte. Das letzte Spiel von eher bescheidener Qualität liegt gut vier Monate zurück. Es endete mit einem 2:1-Sieg gegen die Slowakei.

Es war übrigens das bislang letzte Länderspiel des deutschen Übergangskapitäns Torsten Frings.

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