Sport : Der Berliner HC ist nicht der Favorit, aber chancenreich

Martin Scholz

Statt der gelben Hockeykugel wird an diesem Wochenende ein Fußball über das Parkett der Schöneberger Sporthalle rollen. Der Berliner HC hatte auf die Ausrichtung der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft der Frauen verzichtet, da die Sponsoren des Vereins nicht mit denen des Deutschen Hockeybundes (DHB) zu vereinbaren waren. "Das war ein Schock", erinnert sich Iris Fischer an die Nachricht von der Absage. Aber die Spielerinnen hätten sich nur kurz geärgert, sagt die Torhüterin. "Es ist nun nicht mehr zu ändern. Man muss es abhaken und sich sagen: jetzt erst recht."

Zu dem morgigen Halbfinalspiel gegen Rot-Weiß Köln müssen die Zehlendorferinnen nun in Rüsselsheim antreten. Der neue Ausrichter ist für BHC-Trainer Friedel Stupp zugleich Titelfavorit. "Alles andere als ein Rüsselheimer Sieg wäre eine Sensation. Die Mannschaft war die gesamte Saison zu dominant". Das bekam auch Feldmeister BHC zu spüren: 3:9 und 3:8 endeten die Duelle mit dem Rüsselsheimer RK, der in der Vorrunde ohne Punktverlust blieb.

Dreh- und Angelpunkt im Rüsselheimer Spiel ist Britta Becker, die für den BHC-Trainer "die beste Saison ihres Lebens spielt". Da die 26-Jährige nach der Endrunde nach Hamburg wechselt, möchte sie sich mit einem Titelgewinn vom eigenen Publikum verabschieden. Zumal der Verein, der in den 90er Jahren fünfmal Deutscher Hallenmeister wurde, in den kommenden Jahren ohne seine herausragende Akteurin kaum Titelchancen haben dürfte. Selbst der DHB vergab die Endrunde mit dem Gedanken nach Rüsselsheim, der Nationalspielerin einen würdigen Abschied zu bereiten.

Bevor sich die Berlinerinnen aber als Spielverderber erweisen könnten, müssen sie sich im Halbfinale gegen Rot-Weiß Köln durchsetzen. Dort hatte der BHC ursprünglich Klipper Hamburg erwartet. Doch die vergaben am letzten Spieltag überraschend die Tabellenführung der Gruppe Nord und treffen nun als Zweitplazierte auf Rüsselsheim. Stupp warnt allerdings davor, den vermeintlich schwächsten Endrundenteilnehmer, der zum ersten Mal in einem Hallenhalbfinale steht, zu unterschätzen. Dies passierte den Berlinerinnen bereits 1998, als sie gegen den Außenseiter aus Köln das Feldendspiel verloren. Zumindest unter freiem Himmel hatten sich die Kölnerinnen im vergangenen Jahr in der Spitze etabliert, als sie den Europapokal, den deutschen Pokal und die Vizemeisterschaft errangen. Auch in der Halle zeigten sie spielerische Qualitäten. Probleme dürften dem BHC das aggressive Forechecking, die gute Eckenverwertung und Nationaltorhüterin Birgit Beyer bereiten. Der BHC konnte im Saisonverlauf selten überzeugen. Gegen Eintracht Frankfurt bewies die Mannschaft aber in einer entscheidenen Partie Nervenstärke. "Für uns spricht die Erfahrung", sagt Stupp. Zum neunten Mal in Folge steht der BHC in einer Hallenendrunde, davon sechsmal als Finalist, und war dreimal Titelträger. "Ich habe ein gutes Gefühl", sagt Stupp. Ein ähnliches Gefühl hatte er schon im vergangenen Herbst vor der Feldendrunde. Auch da spielte der BHC zunächst eine schlechte Saison und gewann anschließend souverän den Titel.

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