Sport : Der Berliner könnte aus dem Rad-WM-Vierer fliegen

Der deutsche Bahn-Vierer leidet knapp eine Woche vor der Weltmeisterschaft im Training noch an Rhythmus-Störungen. Bundestrainer Robert Lange will seinen langjährigen "Anfahrer" Guido Fulst zumindest bei der Qualifikation und in der ersten Runde des Vierer-Wettbewerbs am Donnerstag in Berlin, wo die Deutschen ihre Silbermedaille aus dem Vorjahr verteidigen wollen, nicht auf der angestammten ersten Position fahren lassen.

Der 29-jährige Berliner hatte wenige Wochen vor der WM bei einem Trainingsunfall einen Schlüsselbeinbruch erlitten. Der Knochen war gesplittert und wird nun von einer Hülse und neun Nägeln zusammengehalten. Mit eiserner Energie hat sich Fulst, der bereits 1992 beim Olympiasieg und in den Jahren danach als stärkster deutscher Vierer-Fahrer immer auf Position Nummer eins für das Anfangstempo der Mannschaft verantwortlich war, wieder in Form gebracht. Natürlich möchte er vor eigenem Publikum auf diese Position zurückkehren.

Der Bundestrainer aber will sich darauf nicht festlegen lassen. "Ich muss für die WM mehrere Varianten haben. Deshalb habe ich am zurückliegenden Wochenende in Paris Guido nur auf Nummer vier eingesetzt und Olaf Pollack aus Cottbus als Anfahrer getestet. Der hat seine Sache nicht schlecht gemacht und wird auch bei der WM seine Chance bekommen", sagte Lange. "Wenn sich die Einzelfahrer Christian Lademann und Jens Lehmann in ihrem Wettbewerb ebenfalls hervorragend schlagen, könnte auch von ihnen noch jemand am zweiten Tag in den Vierer rutschen."

Der neben dem Bundestrainer sitzende Fulst staunte. "Davon höre ich jetzt das erste Mal," rutschte dem Berliner heraus, der in den offiziellen Materialien des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) als "die Führungspersönlichkeit des von Bundestrainer Robert Lange neugebildeten Bahnvierers" bezeichnet wird. "Er ist der Trainer, muss entscheiden und verantworten. Eigentlich sollte ich ja froh sein, dass ich in meiner Situation überhaupt noch dabei bin", meinte der verunsicherte Olympiasieger und Ex-Weltmeister. Fulst muss nun sogar befürchten, ganz aus dem Vierer zu fliegen. Dennoch bleibt er selbstbewusst - und hält sich selbst für die bessere Alternative: "Ich habe ganz fest mit meinem Einsatz an der Stammposition gerechnet und muss keinem mehr etwas beweisen. Denn ganz ehrlich: Ob Olaf Pollack mit der nötigen hohen Geschwindigkeit auf dem ersten Kilometer anfahren kann, nur weil er Profi ist, bezweifle ich."

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