Sport : Der Berliner Robert Bartko will von der Bahn auf die Straße wechseln

Michael Wiedersich

Wenn es nach dem Gesetz der Serie ginge, müsste Robert Bartko vom Berliner Peugeot-Rad-Team heute Abend bei den Bahn-Weltmeisterschaften nach der Entscheidung in der 4000-m-Einerverfolgung wie im Vorjahr in Bordeaux wenigstens die Bronzemedaille umgehängt bekommen. Denn auch wie in der vorigen Saison patzte der 23-Jährige bei den Deutschen Meisterschaften und wurde seiner Favoritenstellung mit Platz vier nicht gerecht. Doch herausragende Ergebnisse bei seinen Weltcup-Starts sicherten ihm damals wie heute die Teilnahme bei der WM. Dabei sieht der gebürtige Potsdamer die Titelkämpfe auf seiner "Hausbahn", dem Velodrom an der Landsberger Allee, auch als Durchgangsstation an. "Ich will Straßenprofi werden, diesem Traum möchte ich mir erfüllen."

Daran, dass dieser Wunsch bald Wirklichkeit wird, arbeitet Verfolgungs-As Bartko gewissenhaft. Gleich zwei Trainingslager auf Mallorca, eines mit seinem Peugeot-Rad-Team Berlin, eines mit der Nationalmannschaft, hat er im Frühjahr absolviert. In puncto Training geht er jetzt ohnehin noch sorgfältiger vor. "Früher habe ich nur nach Gefühl trainiert, inzwischen schreibe ich sogar Trainingsprotokolle", erzählt er.

Zwar war Bartko 1993 schon als Junior Bahnvierer-Weltmeister und 1997 sogar Vize-Europameister in der Einzelverfolgung, doch der große Durchbruch gelang ihm erst im vorigen Jahr. Beim Weltcup im Berliner Velodrom stellte er mit 4:20,082 Minuten über die 4000 m einen deutschen Rekord auf. Mit einem verhältnismäßig schweren Gang strampelte das Kraftpaket die Distanz herunter. Möglich wurde diese Rekordfahrt nur dank eiserner Diszplin. "Seit 1994 fahre ich schon mit großen Gängen im Training, jetzt zahlt sich das aus."

Die nötige Härte holt er sich bei Renneinsätzen auf der Straße und hofft, die eine oder andere Profimannschaft auf sich aufmerksam zu machen. "Das Rundfahrtprogramm war ganz eng abgesteckt, mit guten Resultaten kann man sich für solche Teams empfehlen", sagt der gebürtige Potsdamer. Bayern-, Rheinland-Pfalz- oder Hessen-Rundfahrt standen ebenso auf seinem Programm wie die Mallorca-Rundfahrt. Besonders im Einzelzeitfahren gelangen ihm dabei gute Platzierungen. Nur bei der nationalen Meisterschaft wollte es beim Sportsoldaten Bartko wieder nicht so recht rollen. Waren es im Vorjahr trainingsmethodische Fehler, sorgte diesmal eine Grippe dafür, dass der Berliner sein vorhandenes Leistungspotenzial nicht voll entfalten konnte. Zu allem Überfluß mußte er noch mit ansehen, wie der Leipziger Routinier Jens Lehmann den deutschen Rekord auf 4:19,992 Minuten verbesserte und sich damit das WM-Ticket sicherte.

Sollte es nach der Bahn-WM nicht mit einem Vertrag als Straßenprofi klappen, wäre es für Bartko auch kein Problem. "Die Olympischen Spiele in nächsten Jahr in Sydney sind ein lohnendes Ziel."

Trotz seiner Erfolge ist Bartko auf dem Teppich geblieben. Wenn er nicht gerade auf dem Rennrad irgendwo auf der Welt unterwegs ist, vertreibt er sich die Zeit mit seiner Freundin Peggy, mit der er eine Wohnung in Neuenhagen bei Berlin bezogen hat. Früher oder später zieht es ihn jedoch wieder nach Potsdam zurück, wo seine Eltern wohnen und wo er aufgewachsen ist. "Ich bin mit Leib und Seele Potsdamer", betont er. Dabei hat er nicht nur gute Erinnerungen an seine Jugendzeit in Potsdam. "Als ich 16 Jahre alt war, machte ich im Prinzip das erste Mal Bekanntschaft mit den neuen Gegebenheiten nach der politischen Wende. Meine Eltern mussten aus unserem Haus in der Nähe des Heiligen Sees ausziehen, nachdem die Alteigentümer ihre Ansprüche angemeldet hatten. Daraufhin habe ich mir geschworen, viel Geld zu verdienen, damit ich eines Tages dort wieder einziehen kann." Bis dahin muss er allerdings noch einige Jahre erfolgreich in die Pedale treten.

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