Sport : Der berühmteste Fan

Klaus Raab

Es gibt ein paar Regeln, an die man sich als Fan eines Fußballvereins halten muss. Erstens: Man ist interessiert an seinem Verein. Zweitens: Man steht in Treue zu ihm, auch bei Erfolglosigkeit. Und drittens: Man äußert am Verein auch Kritik, aber nur zu dessen Wohl.

Man kann Franz Beckenbauer nicht vorwerfen, dass er ein schlechter Fan des FC Bayern München ist. Er denkt täglich über den Klub nach, steht zu ihm – und kritisiert ihn. Zuletzt hat er etwa mitgeteilt, dass berühmte Spieler kommen müssten; dass die Verantwortlichen im operativen Geschäft gefordert seien. Franz Beckenbauer darf so etwas im Massenblatt „Bild“-Zeitung aufschreiben. So ist das halt bei berühmten Leuten.

Allerdings ist Franz Beckenbauer nebenbei auch noch Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München. Uli Hoeneß, der Manager, und Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende, waren daher zuletzt irritiert über die Sticheleien. Tatsächlich ist es eine sehr eigenwillige Konstruktion, dass ein Klubpräsident wöchentlich und öffentlich den eigenen Vorstand kritisiert. Die sportliche Krise artete dank Beckenbauers öffentlicher Kritik in eine handfeste Vorstandskrise aus. Seit gestern nun ist sie offiziell beendet. Da erklärte der Verein, alle Beteiligten hätten sich „in einem guten und konstruktiven Gespräch“ ausgesprochen. Wie immer, wenn Beckenbauer den Mund aufmacht, gilt auch diesmal: So ist er halt.

Manche sagen: Franz Beckenbauer ist ein Plauderer. Andere: eine Lichtgestalt. Im Grunde aber ist er vor allem: ein Fußballfan. So einem dürfen die Vereinsbosse langfristig nicht böse sein.

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