Sport : Der besondere Augenblick

Hertha BSC gewinnt 1:0 beim 1. FC Köln durch ein Tor des Verteidigers Alexander Madlung

Ingo Schmidt-Tychsen[Köln]

Das Lied „Viva Colonia“ ist so etwas wie die Hymne der Kölner. Deshalb sangen die meisten der 48 000 Fans im Rhein-Energie-Stadion lautstark mit, als der Song vor dem Bundesligaspiel zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Köln eingespielt wurde. Eine Textpassage dabei lautete: „Wir leben den Augenblick. Und der ist genau jetzt.“ Nur wenige Sekunden nach dieser Passage wurde das Lied ausgeblendet und das Spiel angepfiffen. Nach dem Abpfiff der Begegnung gab es allerdings nur für die Berliner einen besonderen Augenblick zu feiern. Durch ein Tor von Alexander Madlung siegte Hertha BSC 1:0 (0:0) und steht nun nach dem siebten Spieltag der Fußball-Bundesliga auf dem vierten Tabellenplatz. 31 Jahre hatte Hertha BSC zuvor nicht mehr in Köln gewonnen.

„Es war schon ein Kitzel für uns, diese Statistik tilgen zu können“, sagte Herthas Trainer Falko Götz. Der Coach wirkte zufrieden an diesem Sonntagabend, mit einem Grinsen verfolgte er die Ausführungen seines Gegenübers Uwe Rapolder, der erklären sollte, warum seine Kölner Spieler nicht Herthas Brasilianer Marcelinho in Manndeckung genommen hatten. „Es gibt bei den Berlinern neben Marcelinho halt noch einen Bastürk und daneben einen Gilberto. Die haben zu viel Raum, wenn ein Spieler von uns nur bei Marcelinho steht“, sagte Rapolder. Götz wird sich in diesem Moment still gefreut haben über die guten Leistungen seiner Mittelfeldspieler Yildiray Bastürk und vor allem aber über die beste Saisonleistung von Marcelinho. Speziell in der zweiten Halbzeit bereiteten die beiden einige gute Tormöglichkeiten für ihre Mannschaftskollegen vor.

Doch einzig Alexander Madlung wusste eine dieser Chancen zu nutzen. In der 52. Minute bugsierte der Verteidiger den Ball nach einer Ecke von Bastürk mit dem Oberschenkel an die Unterkante der Latte, von dort sprang der Ball ins Tor. „Anfang der zweiten Hälfte hat man gemerkt, dass wir an unsere körperlichen Grenzen stoßen nach drei Spielen innerhalb so kurzer Zeit“, sagte Rapolder. Götz grinste da immer noch zaghaft.

Zu Beginn des Spiels war Herthas Trainer allerdings nicht gut gelaunt. Immer wieder sprang er von seinem Stuhl auf und brüllte seinen Spielern etwas zu. Denn die Kölner starteten mit viel Schwung. Der erste Schuss auf das Berliner Tor von Peter Madsen aus 16 Metern Entfernung flog knapp am rechten Pfosten vorbei, den zweiten von Lukas Podolski konnte Herthas Torwart Christian Fiedler nur mit Mühe am Tor vorbeilenken. Kurz darauf, etwa nach einer Viertelstunde Spielzeit, übernahmen die Berliner die Kontrolle – und behielten sie bis zum Ende der Begegnung. Die beste Gelegenheit in der ersten Halbzeit hatte Herthas Stürmer Marko Pantelic, der den Ball aus kurzer Distanz nicht am schon am Boden liegenden Kölner Torwart Stefan Wessels vorbeibrachte. In der zweiten Halbzeit hatte der 27-jährige Serbe noch einmal eine ähnliche Gelegenheit, doch er scheiterte erneut.

Die Berliner hatten im gesamten Spiel die besseren Möglichkeiten. „Eigentlich hätten wir das Spiel hier früher entscheiden müssen“, sagte Trainer Falko Götz. „Aber insgesamt bin ich zufrieden, weil wir das umgesetzt haben, was wir uns vorgenommen haben.“ Am Schluss des Abends lobte der Trainer noch einmal die kompakte Abwehr und mahnte seine Spieler, nun das Erreichte zu verteidigen – nämlich den vierten Tabellenplatz.

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