Sport : Der Beste fehlt

Kreuzbandriss: Alba muss ohne Stanojevic ins Finale

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Um nach einem Riss des Kreuzbandes wieder Sport treiben zu können, braucht ein Profi etwa sechs Monate Pause. Jovo Stanojevic benötigte am Dienstagabend in Bremerhaven fünfzehn Minuten. Der Center des Basketball-Bundesligisten Alba Berlin hatte sich im ersten Viertel des Halbfinalspiels gegen Bremerhaven ohne die Einwirkung eines Gegenspielers nach einem Sprung das Knie verdreht. Ein paar Sekunden blieb er liegen und humpelte dann zur Auswechselbank. Die Schwere seiner Verletzung kannte Stanojevic noch nicht, er ließ sich eine Manschette bringen und trabte eine Viertelstunde später zurück auf das Parkett. Sein Comeback währte nur vier Sekunden effektive Spielzeit. Dann fiel er wieder hin, klopfte vor Schmerzen mit der Handfläche auf den Boden und schlurfte, bei Physiotherapeut Ramón Garcia untergehakt, vom Feld.

Stanojevic ist bekannt dafür, einstecken zu können. Das war in beinahe jedem Spiel dieser Saison zu beobachten, wenn die Gegner an dem 2,07 Meter großen, 122 Kilo schweren Center zerrten und rupften, während er den Ball in aller Ruhe in den Korb bugsierte. Auch wegen dieser Qualität ist Stanojevic von einer Jury aller Ligatrainer zum wertvollsten Spieler der Hauptrunde gewählt worden. Doch der Riss des vorderen Kreuzbandes, der am Mittwoch diagnostiziert wurde, wird den Serben ein halbes Jahr lang außer Gefecht setzen. „Er ist deprimiert“, sagte Kotrainer Calvin Oldham.

Die Freude über den Einzug in das Finale am Sonntag gegen Rhein Energie Köln (19.30 Uhr, live bei Premiere), das die Berliner am Dienstagabend mit dem insgesamt dritten Sieg über die Eisbären Bremerhaven erreichten, wurde rasch überschattet. „Schon auf dem Rückflug war eigentlich allen klar, dass es etwas Ernstes sein muss, weil sein Knie so angeschwollen war“, sagte Manager Marco Baldi. Calvin Oldham glaubt dennoch, dass Alba den Rückschlag verkraften kann: „Wir haben in dieser Saison schon so viel erlebt, die Spieler sind stark im Kopf geworden.“ Im November 2005 hatte sich Matej Mamic eine schwere Prellung des Rückenmarks zugezogen. Im Oktober des letzten Jahres riss sich Sascha Leutloff das Kreuzband. Für das erste Finalspiel wird wohl auch Mike Penberthy ausfallen, der sechs Wochen nach seiner Leistenoperation noch immer unter Beschwerden leidet.„Der Zeitpunkt der Verletzung von Jovo ist nicht ideal“, sagte Calvin Oldham. Der US-Amerikaner hätte auch sagen können: Ein schlechterer Zeitpunkt für die Verletzung unseres wichtigsten Spielers existiert nicht. Auf den Unfall von Matej Mamic hatten die Berliner noch mit der Verpflichtung von Luke Whitehead reagiert.

Nun ist die Transferperiode abgelaufen, Stanojevics Ausfall muss mit Profis aus den eigenen Reihen kompensiert werden. „Sharrod Ford, Quadre Lollis und Stephen Arigbabu werden zu längeren Einsätzen kommen“, sagte Oldham. Besonders Ford und Arigbabu dürften in der Finalserie mehr gefordert werden als bisher. Im Kader der Berliner ist Arigbabu nominell der einzig echte Center neben Stanojevic. Dennoch stand der deutsche Nationalspieler meist nur dann auf dem Parkett, wenn das Spiel entschieden war. Über die Saison gesehen erzielte der 34-Jährige drei Punkte pro Spiel. Zum Vergleich: Stanojevic gelangen durchschnittlich 16,8 Punkte.

Im Spiel gegen Bremerhaven am Dienstagabend gewann Arigbabu bereits einen Eindruck von dem, was ihn in der Finalserie erwartet. Er kam lange vor der Halbzeit ins Spiel – prompt unterliefen dem etwas unsicher wirkenden Center zwei Ballverluste. Dann aber fing er sich, erzielte noch vor der Hälfte vier Punkte. Auf dem anschließenden Weg in die Kabine wollte ein Fernsehreporter ihn abfangen. Der sonst stets freundlich lächelnde Arigbabu schob den Journalisten unsanft beiseite, den Blick starr geradeaus gerichtet. Arigbabu hat keine Zeit mehr für Imagepflege. Er hat jetzt Wichtigeres zu tun.

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