Sport : Der Beste geht

Tennisprofi Pete Sampras verkündet seinen Rücktritt per E-mail

Benedikt Voigt

Berlin. Sechs zu drei, sechs zu vier, fünf zu sieben, sechs zu vier. Dieses Ergebnis spielt eine besondere Rolle im Leben des Tennisspielers Pete Sampras. Mit diesem Resultat besiegte er am 8. September 2002 im Finale der US Open seinen Rivalen Andre Agassi und holte sich den 14. Grand-Slam-Titel. So oft hat noch kein anderer Tennisspieler vor ihm in Wimbledon, New York, Melbourne oder Paris gewonnen. Nicht Björn Borg, nicht Rod Laver, schon gar nicht Boris Becker können das von sich behaupten. In Zukunft wird das Ergebnis eine weitere Bedeutung haben: als letztes Spiel von Pete Sampras.

Wenn am Montag in New York die US Open beginnen, wird der Titelverteidiger noch einmal das Louis-Armstrong-Stadion im Stadtteil Flushing Meadows betreten. Aber nur, um seinen Rücktritt bekannt zu geben. Per E-Mail hat Pete Sampras dies am Freitag verkündet. Seit einigen Jahren wird bereits über seinen Rücktritt spekuliert. Seit 2000 gingen seine Erfolge zurück, der Grand-Slam-Sieg im vergangenen Jahr kam bereits überraschend. Er vermisse zwar seinen Sport, sagt Pete Sampras. „Aber ich vermisse ihn nicht genug, um wieder alles zu tun, um nach oben zu kommen.“

Pete Sampras wird als einer der besten Tennisspieler in die Geschichte eingehen. Wenn Boris Becker den Centre Court Wimbledons als sein Wohnzimmer bezeichnen darf, gehört Pete Sampras die ganze Wohnung. Siebenmal gewann der Serve-and-Volley-Spezialist das Turnier im Südwesten Londons. Unvergessen sind seine Duelle mit Boris Becker. „Das ist als ob zwei Lastwagen aufeinander zurasen“, sagte Sampras einst. Doch nicht nur die Grand-Slam-Bilanz des Sohnes griechischer Einwanderer in die USA ist unerreicht. Zwischen 1993 und 1998 beendete er die Tennissaison jeweils als Nummer eins der Welt. 286 Wochen führte er ununterbrochen die Weltrangliste an. 43 Millionen Euro erspielte sich Sampras an Preisgeldern. Dennoch ist seine Laufbahn mit einem Makel behaftet. Nie gewann Pete Sampras die French Open in Paris. Es wird ihm nicht mehr gelingen.

Pete Sampras will sich in Zukunft um seine Familie kümmern. Am 21. November 2002 letzten Jahres hat er mit seiner Ehefrau Bridgette Wilson einen Sohn. Obwohl Sampras der überragende Tennisspieler seiner Zeit war, erreichte er nie die Popularität von Andre Agassi oder Boris Becker. Es fehle ihm an Charisma, wurde ihm oft vorgeworfen. „Ich bin für mein Tennis bekannt, sonst nichts“, sagte er der „Welt am Sonntag“. Jedoch: Bekannter als Pete Sampras kann man für sein Tennis nicht werden.

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