Sport : Der beste Kunde

Alexander Ludwig treibt Cottbus zum Derby-Sieg

Ron Ulrich[Cottbus]
Wo es wehtut. Alexander Ludwig (l.) drehte das Spiel für Cottbus. Foto: dpa
Wo es wehtut. Alexander Ludwig (l.) drehte das Spiel für Cottbus. Foto: dpaFoto: dpa

„Kunde“ heißt in Sachsen so viel wie „Typ“ oder „Kollege“. Es war also herzlich gemeint, als ein Mann aus Dresden nach dem Ost-Derby zwischen Energie und Dynamo Dresden dem Cottbuser Spieler Alexander Ludwig zurief: „Ey Kunde, warum spielst du denn hier?“ Ludwigs Antwort: „Von euch hat ja keiner angerufen.“

Es war ein friedliches Miteinander nach dem 2:1-Sieg von Cottbus über Dresden, genauso wie vor und während des Hochrisikospiels. Die Polizei berichtete, dass es keine einzige Festnahme gegeben habe, „rundum zufrieden“ sei man. Cottbus-Trainer Claus-Dieter Wollitz sprach von einem „sehr guten Zeichen für die neuen Bundesländer“. Zwar hatten Dynamos Fans auf einem Transparent mit der Aufschrift „Max Mustermann“ gegen die personalisierte Vergabe der Tickets protestiert und einige Fangruppen zum Boykott aufgerufen, doch entgegen aller Befürchtungen blieb das erste Ostduell dieser Zweitliga-Saison ohne Ausschreitungen. Beide Fanlager entfachten hingegen für eine beeindruckende Atmosphäre. 20 Minuten nach dem Spiel blickte Dresdens Trainer Ralf Loose noch einmal zum Gästeblock, wo Dresdens Fans ihr Team trotz der Niederlage immer noch feierten. „Wahnsinn“, sagte er.

Dass Loose ansonsten nicht viel Grund zur Zufriedenheit hatte, nachdem seine Mannschaft eine 1:0-Führung verspielt hatte, lag auch an dem eingangs erwähnten Cottbuser Alexander Ludwig. Der war in der Halbzeit eingewechselt worden, hatte mit einem genialen Pass den Ausgleich durch den starken Daniel Adlung vorbereitet . „Das hat heute sehr gut geklappt“, sagte Ludwig, der von 2005 bis 2007 das Trikot der Dresdener getragen hatte.

Dass der Mittelfeldspieler vor der Saison keinen Anruf aus Dresden erhalten hat, verwundert nicht gerade. Dynamo verzeichnete gleich 14 Abgänge, für adäquaten Ersatz fehlen die finanziellen Mittel. „Was soll ich machen? Ich kann nur weiter darauf hinweisen, dass wir noch fünf Spieler brauchen“, sagte Loose nach dem Spiel. Sein Team spielte rund um die emsigen Filip Trojan, Pavel Fort und Marcel Heller gerade in der Offensive eine ansprechende erste Hälfte, doch in der zweiten Halbzeit fehlte es der Mannschaft an Cleverness und Erfahrung – und an einem Unterschied-Spieler.

Dieser Neologismus stammt von Cottbus’ Trainer Wollitz. Der Mann mit den neongrünen Schnürsenkeln lobte: „Alexander Ludwig hat die Power, er ist ein Unterschied-Spieler, also jemand, der den Unterschied ausmachen kann. Im heutigen Fußball braucht man Leute, die das Eins-gegen-Eins suchen und lösen – Ludwig ist so einer.“ Das war es aber auch schon mit den netten Worten des Mannes, der an der Seitenlinie zu mehr Sololäufen ansetzt als zu seiner Zeit als Aktiver. „Aus dieser ersten Hälfte werde ich Konsequenzen ziehen, die Mentalität meines Teams war nicht in Ordnung.“

Energie hatte in der Tat in der ersten Halbzeit eklatante Probleme im Aufbauspiel, Stockfehler reihten sich aneinander, Pässe in die Spitze versandeten. Diese Leistung war Wollitz dann nach eigener Aussage fast lebensbedrohlich an die Nerven gegangen. „Ich habe keine Lust mehr, in der Halbzeitpause mein Leben zu lassen.“ Wollitz ist bekannt für seine emotionalen Ausbrüche. Dass der Trainer nach dem Auftaktsieg aber derart harsche Töne anschlug, verrät viel von seinem Ehrgeiz nach dem verpassten Aufstieg im letzten Jahr. In dieser Saison ist der Aufstieg noch schwieriger – aufgrund der Verkäufe von Emil Jula (nach Duisburg) und Nils Petersen (nach München) und der starken Konkurrenz in der Liga. Sie brauchen in Cottbus wohl für das große Ziel einige Unterschied-Spieler.

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