Sport : Der Blechtrommler

Benedikt Voigt

Ein Moralist, wie Günter Grass es ist, muss das Zeitgeschehen kritisch begleiten und Unrechtmäßigkeiten aufdecken. So kritisierte der Schriftsteller 1966 die Wahl von Kurt Georg Kiesinger zum Bundeskanzler, weil dieser Mitglied der NSDAP gewesen ist. 1993 trat er aus Protest gegen die Asylrechtsänderung aus der SPD aus. Und schließlich unterstützt er im April 2007 die Freiburger Bürgerbewegung „Wir sind Finke“.

Dort begibt sich nämlich zurzeit ebenfalls eine große Unrechtmäßigkeit. Nach 16 Jahren will sich der Vorstand des Zweitligisten Sportclub Freiburg zu Saisonende von seinem Trainer Volker Finke trennen. Diese Entscheidung ist zu einem Zeitpunkt gefallen, als der Verein abstiegsgefährdet war, inzwischen aber besitzt er wieder gute Chancen auf den Aufstieg in die Bundesliga. Folglich wäre der Grund für die Trennung hinfällig, doch der Vorstand bleibt stur. Nun kämpft Günter Grass, der sich länger schon für den alternativen Klub begeistert, mit 2600 weiteren Finke-Fans für die Weiterbeschäftigung des ehemaligen Studienrats für Sport und Sozialkunde.

Es wird ein vergeblicher Kampf sein. Der Sportclub hat bereits einen neuen Trainer verpflichtet für die kommende Saison: Robin Dutt von den Stuttgarter Kickers, der als großes Trainertalent gilt und sich nun in Freiburg beweisen soll. Laut Vereinssatzung kann dieser Wechsel nicht mehr rückgängig gemacht werden. Pech für Grass, aber der ist nach seinem späten Bekenntnis, Mitglied der SS gewesen zu sein, Widerspruch bereits gewöhnt. Kiesingers Wahl und die Verabschiedung des neuen Asylrechts hat er ja auch nicht verhindern können.

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