Sport : Der Blitz vom Himmel über Dortmund

Kati Winkler und Rene Lohse feiern Bronze im Eistanz

Frank Bachner

Dortmund. Kati Winkler und Rene Lohse standen auf dem Podest, und vor ihnen rotierte der Herr Präsident den linken Unterarm, so wie es Deutschlands bester Tennisspieler früher zu tun pflegte. Die Becker- Säge bei der Siegerehrung, gegeben von Ottavio Cinquanta, dem Chef des Internationalen Eislaufverbandes (ISU). Glückwunsch, ihr seid so oft um gerechte Noten betrogen worden, ihr habt trotzdem durchgehalten, jetzt hat es endlich geklappt mit einer Bronzemedaille. Das wollte Cinquanta wohl andeuten. Sagen kann er das natürlich nicht.

Muss er auch nicht. Kati Winkler und Rene Lohse benötigten keine Zustimmung eines internationalen Funktionärs. Sie hatten diesen frenetischen Applaus der 9000 Zuschauer in der Dortmunder Westfalenhalle. Sie hatten die Tränen ihres Trainers Martin Skotnicky. Sie hatten diese 6,0, die Höchstnote, noch vor Augen, die sie bei der Eiskunstlauf-WM für ihre Eistanz-Kür bekommen hatten. Und sie hatten diese Medaille um ihren Hals. WM-Bronze im Eistanzen. „Ein Wahnsinn“, sagte Lohse. „Dass wir noch mal eine 6,0 in einem internationalen Wettbewerb erhalten würden, hätte ich nie für möglich gehalten.“ Alle hatten an eine Medaille gedacht in der Westfalenhalle, als Winkler und Lohse erschöpft auf ihre Plätze sanken. „Sie sind noch nie so gut gelaufen wie hier“, sagte Skotnicky, der Trainer. Die Leute stand auf den Rängen und applaudierten. Dann trat Stille ein. Die Noten kamen. Die Zahlen leuchteten auf, ein Raunen ging durch die Halle. Dann Pfiffe. Und Buhrufe. Die Noten waren nur mäßig für den technischen Eindruck. Dann die B-Note, der künstlerische Eindruck. Die Anspannung entlud sich in begeistertem Beifall. Die Noten waren sehr hoch, eine 6,0 sogar. Winkler/Lohse hatten eine Medaille. Die erste internationale Medaille ihrer Karriere.

Beide sind jetzt 30 und denken über einen Wechsel zu den Profis nach. Beide haben vielleicht ihre Abschiedsvorstellung gegeben. WM-Bronze in Dortmund, im eigenen Land, ist ein dramaturgisch perfekter Erfolg.

Es ist ja alles in dem Stück. Leiden, Tragik, Pech und Happy End. Eine Kette von Verletzungen, Ärger über Noten, dann „ein Publikum, das uns regelrecht getragen hat“ (Lohse). „Nur unser Trainer weiß, was wir durchgemacht haben, nur er weiß, was dieser Erfolg für uns bedeutet“, sagte Kati Winkler. Sie haben ja nie wirklich ans Aufhören gedacht, nicht mal, als Rene Lohse sich verletzte und damit sogar der WM-Start gefährdet war. „Ich habe sofort nach der Operation gesagt, jetzt geht es weiter“, sagt Lohse.

Später, im VIP-Raum, überreichte Reinhard Mirmseker, der Präsident der Deutschen Eislauf-Union (DEU), Winkler und Lohse jeweils ein WM-Logo aus 14-karätigem Gold. Eine Nacht zuvor hatte er das schon mal gemacht, nach Stefan Lindemanns sensationeller Bronzemedaille. „So langsam ruinieren die Erfolge unseren Verband“, witzelte Mirmseker. Er weiß genau, dass durch die beiden Bronzemedaillen „jetzt das Klima wohl besser werden wird, wenn wir mit dem Deutschen Sportbund oder anderen übers Geld reden“.

Das Klima würde sogar noch besser, wenn Winkler/Lohse weitermachen würden. Aber die beiden verweigern dazu erst mal jede konkrete Aussage. „Das ist eine Entscheidung fürs Leben“, sagt Lohse. „Da kann man sich nicht so spontan festlegen.“ Verbandschef Mirmseker hält sich ganz raus, Trainer Skotnicky hebt ebenfalls abwehrend die Hände und verkündet: „Das müssen diese beiden entscheiden.“ Die beiden genossen aber erst mal ihren Sieg. „Ich denke jetzt gar nicht dran, dass ich eigentlich todmüde bin und ins Bett sollte“, sagte Lohse bei der nächtlichen Party. Und Skotnicky stand zurückhaltend in einer Ecke und redete seine Bedeutung an diesem Erfolg herunter: „Diese Medaille kam wie ein Blitz aus dem blauen Himmel. Der liebe Gott verteilte Geschenke.“

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