Sport : Der böse Einstichkasten

Wie Lars Börgeling sein Scheitern im Stabhochsprung erklärt

Frank Bachner

Paris. Lars Börgeling hatte sich die Sonnenbrille an den Hinterkopf geklemmt. Das passte zu einem, der stets sagt, Sport sei auch Show, und er als Stabhochspringer müsse da einfach etwas bieten. Nun war Börgeling aber eine Stunde zuvor bei der WM-Qualifikation ausgeschieden. 5,70 m hatte er dreimal gerissen, eigentlich hätte er danach die Rolle des lockeren Typen ein wenig aufgeben können.

Börgeling gelang das nicht ganz. Er spielte die Rolle immerhin noch so gut, dass einem klar wurde, weshalb nicht alle deutschen Qualifikationspleiten mit Pech, Verletzungen oder besonders muskulösen Gegnern zu tun haben, sondern auch mit Unprofessionalität. 5,70 m gerissen, Finale verpasst, woran lag es? „Die Anlage ist total bescheuert“, antwortete Börgeling. „Der Einstichkasten ist zu steil, man kann den Stab schlecht bewegen. Man ist zu weit weg vor der Latte.“ Das klingt gut, aber genau genommen ist es traurig, die Anlage als Erklärung anzuführen. Denn vor vier Wochen ist Börgeling schon mal auf dieser Anlage gesprungen: beim Golden-League-Meeting im Stade de France. Er kennt die Anlage, er kennt ihre Tücken, er hatte vier Wochen Zeit, sich auf diesen Einstichkasten einzustellen. Nur: Börgeling hat das nicht getan. „Klar, ich hätte jetzt den Stab niedriger greifen und die Latte weiter vorziehen können.“ Weshalb er es dann nicht gemacht hat? „Bis 5,60 Meter hat es ja geklappt. Da hofft man dann darauf, dass es bei 5,70 m auch noch klappt. Stabhochsprung ist ja auch Pokerei“, sagt er. Aber wenn die Anlage so schwierig ist, muss man doch reagieren? Habe er doch, sagt Börgeling. „Ich habe mich mental damit befasst, wie ich mit einem Ausscheiden umgehe.“

Fairerweise muss man dazu sagen, dass Börgeling auch noch sagt: „5,70 m muss einer wie ich drin haben, der schon 5,85 m gesprungen ist.“ Korrekt, nur schimpft Börgeling im nächsten Satz schon wieder auf die Anlage. Tim Lobinger, der 6-Meter-Springer, war vor der WM mächtig über jene Teamkollegen hergezogen, die eine miserable Einstellung hätten. Er dachte nicht an Börgeling.

Der Leverkusener Richard Spiegelburg, der dritte deutsche Stabhochspringer, hat eine Bestleistung von 5,85 m. Am Dienstagabend riss er dreimal bei 5,35 m. Er verschwand wortlos. Immerhin noch besser als Börgelings Auftritt.

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