Sport : Der Boss verliert die gute Laune

Bernie Ecclestone kritisiert vor dem Start der Formel 1 die großen Hersteller – und bekommt Unterstützung von Ferrari

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Melbourne (Tsp). Es klang wie ein letzter Versuch, als Bernie Ecclestone vor ein paar Tagen die Teamchefs in der Formel 1 zur Einigung aufgerufen hatte. Der 72jährige Grand-Prix-Chef schlug den Herstellern, Teams und Verantwortlichen des Internationalen Automobilverbandes (Fia) in einem Interview mit der englischen Tageszeitung „The Times" vor, sich an einen Tisch zu setzen, um die Probleme zu lösen. „Die Formel 1 braucht diese Art von Krach nicht“, wurde Ecclestone darin zitiert. Dass die fünf großen Hersteller BMW, DaimlerChrysler (Mercedes), Fiat (Ferrari), Ford (Jaguar) und Renault auch danach noch mit einer eigenen Rennserie ab 2008 drohten, ging dann nicht spurlos an dem Briten vorbei. Kurz vor dem Start in die neue Saison am kommenden Sonntag in Melbourne wurde Ecclestone nun sogar noch deutlicher. „So habe ich keinen Spaß mehr“, sagte er in einem Interview mit dem Hamburger Magazin „Stern“. Die Hersteller seien in die Formel 1 gekommen, um ihre Produkte vorzuführen. „Und jetzt zerbrechen sie das Porzellan, und keiner kann die Show mehr sehen? Das ist doch Unsinn“, sagte Ecclestone.

Ausgangspunkt für diese Auseinandersetzung ist, dass die von der Fia diktierten Regeländerungen die Differenzen zwischen den Konzernen und dem Automobil-Dachverband verstärkt haben. „Wir mussten aber diese Geldvernichtung stoppen. Die Teams waren dumm genug, sich nicht auf die nötigen Änderungen zu einigen, sie waren dafür zu egoistisch“, kritisierte Ecclestone und nannte ein Beispiel für Verschwendung: Ferrari gebe in diesem Jahr 600 Millionen Dollar aus und habe 600 Mitarbeiter. Um die Diskrepanz zwischen Arm und Reich in der Formel 1 zu verringern, schlug er eine Fernsehsteuer vor: „Die Teams müssten für die Minuten zahlen, die sie im TV zu sehen sind, sodass auch die Schwächeren profitieren. Es könnte so laufen, dass alle in einen Topf zahlen, und das Geld wird hinterher zu Gunsten der Kleinen verteilt.“

McLaren-Chef Ron Dennis und sein Landsmann Frank Williams haben am lautesten den Fia–Präsidenten Max Mosley kritisiert und wollen dessen Reformen vor dem Schiedsgericht des Internationalen Automobilverbandes stoppen. Lediglich Ferrari-Boss Luca di Montezemolo hat sich deutlich für die umstrittenen Reformen ausgesprochen: „Ich bin für eine Reduzierung der Elektronik bei den Motoren, ich bin auch für eine neue Form der Qualifikation. Ich hoffe, dass all diese Neuigkeiten die Kosten reduzieren und das Image der WM auffrischen.“ Montezemolo warnte aber gleichzeitig davor, weitere Regeländerungen in Betracht zu ziehen.

Mercedes-Sportchef Norbert Haug hofft, dass mit dem ersten Grand Prix der Saison 2003 auch die Wortgefechte um die neuen Regeln erst einmal verstummen werden. „Das Wichtigste ist, dass die Formel 1 jetzt Sport bietet und nicht Politik am grünen Tisch. Es ist jetzt genug über Reglements diskutiert worden. Deshalb sagen wir: Wir fahren jetzt mit den Regeln, die wir haben.“

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