• Der Boxer über Aberglauben, seine Bandscheibenoperation und den nächsten Kampf: "Ich boxe nur für mich"

Sport : Der Boxer über Aberglauben, seine Bandscheibenoperation und den nächsten Kampf: "Ich boxe nur für mich"

Sollte Ihnen Südafrika[das Land Nelson Mande]

Axel Schulz (31) hat bislang drei vergebliche Anläufe auf den WM-Titel im Schwergewicht unternommen. Nach einem Bandscheibenvorfall im März ließ sich der Boxer aus Frankfurt (Oder) operieren. Seit sieben Wochen bereitet er sich in Kapstadt auf den Europammeisterschaftskampf gegen Wladimir Klitschko am 25.Septembber in Köln vor. Mit Axel Schulz sprach Haaartmmut Scherzer.

Sollte Ihnen Südafrika, das Land Nelson Mandelas und des Kaps der Guten Hoffnung, die richtige Motivation für den Kampf gegen Klitschko gegeben?

Wir wollten so weit weg, um unsere Ruhe zu haben. Anders als in Amerika besteht kein Zeitunterschied zu Deutschland. Es ist sehr schön hier, Tafelberg, Cape Point. Aber letztlich kommt alles nur auf eines an: Volle Konzentration und harte Arbeit.

Sie waren auch am Kap der Guten Hoffnung. Ein symbolischer Ausflug für den Kampf?

Ich bin nicht mehr abergläubisch. Das habe ich mir abgewöhnt. Früher habe ich immer zuerst den rechten Handschuh angezogen und dann doch einen Scheißkampf gemacht. Damals habe ich mir gesagt: Lass es. Es bringt doch nichts. Dafür habe ich mich konsequent vorbereitet. Ich habe lange nicht mehr im Ring gestanden. Deswegen hatten wir mehr Sparringsrunden als je zuvor, 150.

Ist es ein Schicksalskampf für Sie?

Wenn ich verlieren sollte, eindeutig, höre ich auf. Logisch. Dann ist Schluss mit Boxen.

Warum ist das logisch?

Wenn ich gegen so einen Mann wie Klitschko verliere, wo soll ich dann ankommen? Dann wird es für mich nur noch ein Rumgegurke und nichts Ehrliches mehr. Natürlich baue ich damit Druck auf. Aber den brauche ich auch. Damals gegen Foreman habe ich mich auch so unter Druck gesetzt und mir gesagt: Gegen so einen alten Mann kannst du nicht verlieren.

Man hört, Sie würden sich auf den Kampf richtig freuen.

Auf die letzten Kämpfe habe ich mich nicht mehr gefreut. Entsprechend mies waren sie dann auch. Da bin ich reingedrängt worden. Diese ständigen Absagen und immer neue Gegner. Da habe ich mir schon gesagt: Ein Großer lässt das nicht mit sich machen. Ich habe nicht mehr aus Überzeugung geboxt, sondern nur, um Leuten, um RTL, um Wilfried Sauerland einen Gefallen zu tun. Ich habe für mich den Anspruch, zur Weltspitze zu gehören. Ich muss mir selbst treu bleiben.

Bis hin zur Niederlage?

Klar, das ist ein entscheidender Kampf. Wenn ich den verliere, was habe ich dann in der Weltspitze noch zu suchen? Aber ich gehe davon aus, dass ich gewinne. Es ist die erste Sache, bei der ich sagen kann: Ich wollte es so. Deswegen machen der Kampf und die Ackerei dafür auch wieder Spaß. Es war die richtige Entscheidung, auch wenn mein Trainer und mein Manager anderer Meinung sind und einen Aufbaukampf nach der langen Pause und der Operation vorgezogen hätten.

Was haben Sie in ihrem Leben geändert?

Es war sehr wichtig, dass ich erstmals selbst etwas entschieden habe, kurz entschlossen wie die Bandscheibenoperation. Das war ein Risiko. Doch ich habe mir gesagt: Entweder richtig oder gar nicht. Erst die Operation, dann nur noch Spitzenkämpfe. Nicht mehr diese Gurken. Tyson war im Gespräch, und den hätte ich auch genommen. In Deutschland schrie alles nach einem Klitschko, am lautesten die beiden Brüder selbst. Also Klitschko. In der Reha habe ich entschieden, das konsequent durchzuziehen. Diese Konsequenz hatte ich früher nicht.

Also wird man im Ring auch nicht mehr den Zauderer sehen?

Damit beschäftige ich mich nicht. Es kommt auf die Situation an, ob mir das Risiko zu groß ist, selbst hart getroffen zu werden. Ich weiß doch am besten, wie es ist im Ring, wenn du hinterherrennst und suchst und grübelst und Angst hast, selbst getroffen zu werden. Dafür ist das eben Boxen. Mir reicht auch ein Punktsieg. Ich gehe davon aus, dass der Kampf über zwölf Runden geht. Ich bin noch nie k.o.-gegangen, bin aber selbst auch nicht der Puncher, der jemanden leicht ausknockt.

Ihr Trainer Manfred Wolke glaubt, es würde Sie belasten, vielleicht wieder andere zu enttäuschen.

Ich boxe nur für mich. Das ist mein Ding, um später sagen zu können: Ich habe alles richtig gemacht. Kann ich eigentlich jetzt schon. Ich muss sagen können: Wenn ich den Klitschko-Kampf gewinne, dann habe ich das nur für mich gemacht.

Zählen Sie darauf, dass das Publikum hinter Ihnen steht?

Das wird eine Frage der Leistung im Ring sein. Wenn Klitschko eine Superleistung bringt, wird er die Sympathien auf seiner Seite haben. Ich kann den Leuten jetzt viel erzählen: Ich habe in Südafrika sieben Wochen lang tierisch hart gearbeitet. Wenn dann im Kampf alles zusammenbricht, bin ich der Buhmann der Nation.

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