Sport : Der brasilianische Freund

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Berlin. Kommt er oder kommt er nicht? Er kommt, hieß es am späten Montagabend in einer Sendung des SFB. Luizao, seit Wochen von Hertha BSC umworben, habe beim Fußball-Bundesligisten bereits einen Vierjahresvertrag unterschrieben. Der SFB beruft sich dabei auf seinen Korrespondenten in Brasilien, der „sehr zuverlässig“ sei. Dieter Hoeneß müsste wissen, wenn der Brasilianer bereits unterschrieben hätte. „Noch ist gar nichts klar. Wir haben bei unserer Suche nach einem Stürmer drei Kandidaten in der engeren Wahl, Luizao ist einer von ihnen“, kommentierte Herthas Manager. Er dementierte damit auch Vermutungen, Hertha wolle Luizao morgen bei den Feierlichkeiten zum 110-jährigen Bestehen des Vereins als Überraschungsgast präsentieren.

Tatsache ist, dass Luizao ein heißer Kandidat ist. Bereits im März war er in Berlin und führte mit Hoeneß ein längeres Gespräch. Knackpunkt waren die finanziellen Forderungen des 26-Jährigen. Angeblich wollte er zehn Millionen Dollar für einen Vierjahresvertrag plus Handgeld. Solch stolze Summen glaubte er fordern zu können, weil er ablösefrei ist. Herthas Verantwortliche, auch die des Aufsichtsrates, schreckten jedoch zurück. Unter diesen Bedingungen waren sie nicht bereit, die Lücke im Hertha-Sturm zu füllen. Nach seinem Berliner Abstecher begab sich Luizao noch auf die Reise nach Rom, Reggio Calabria, Sevilla und Barcelona, doch auch dort schreckte man offenbar vor seinen finanziellen Vorstellungen zurück.

In den letzten Wochen muss der nur 1,76 m große Brasilianer wohl gemerkt haben, dass er zu hoch gepokert hat. Zumal er bei der Weltmeisterschaft seinen Marktwert nicht bestätigen konnte. In den Duellen mit der Türkei zweimal kurz für Ronaldo eingewechselt, fiel er kaum auf. Höchstens durch sein eigensinniges Spiel. Während dieser WM-Tage hatte Hoeneß erneut Kontakt zu Luizaos Berater aufgenommen.

In seiner Heimat machte Luizao zuletzt eher negative Schlagzeilen. Nachdem er sich aus seinem Vertrag bei Corinthians São Paulo herausgeklagt hatte, unterschrieb er bei Gremio Porto Alegre lediglich einen Halbjahresvertrag bis Ende Juli dieses Jahres. Eigentlich wollte er sich bei dem Klub lediglich für die Weltmeisterschaft fit halten. Zudem wusste er, dass Nationaltrainer Scolari nur Spieler mit zur WM nehmen wollte, die einen festen Vertrag haben.

Für Gremio Porto Alegre bestritt er kein einziges Spiel über 90 Minuten, erzielte nur ein einziges Tor. Dass er an der südamerikanischen Copa da Libertadores, vergleichbar mit der Champions League, nicht für Gremio spielen wollte, verärgerte seinen Klub. Er sei „nicht in der emotionalen Verfassung“, erklärte einer seiner Berater. In dieser Verfassung sei er eher eine Belastung denn eine Verstärkung. Drei Wochen vor dem Ende des ohnehin so kurzfristigen Vertrages kündigte Luizao die Zusammenarbeit mit Gremio. Ob Luizao die Befürchtung hatte, sich vor den weiteren Verhandlungen in Europa zu verletzen oder ob er das Sinken seines Stellenwertes bei der drohenden Verbannung auf die Ersatzbank vermutete, sei dahingestellt. Neue Freunde hat er sich in seiner Heimat jedenfalls nicht geschaffen. Dabei gewann Luizao 1996 mit Brasilien beim olympischen Turnier in Atlanta die Bronzemedaille. Später gab er in Europa ein Kurzgastspiel, bei Deportivo La Coruña. Nach der Rückkehr in seine Heimat spielte er für Vasco da Gama. Mit Corinthians São Paulo wurde Luizao 1999 Meister des Landes.

Sollte Luizao tatsächlich zu Hertha kommen, wäre er nach Alex Alves und Marcelinho der dritte Brasilianer. Vierter im Bunde könnte Nené werden. Noch ist allerdings nicht entschieden, ob der Verteidiger einen Vertrag erhält. „Noch haben wir keine Klarheit. Deshalb haben wir ihn gebeten, noch einige Tage in Berlin zu bleiben“, so Hoeneß. Ursprünglich sollte das Trainingslager in Kaprun Aufschluss darüber geben, ob Nené für Hertha eine Verstärkung sein könnte. Die Beurteilung wurde dadurch erschwert, dass sich Nené, Hertha von Marcelinho empfohlen, vor dem letzten Testspiel gegen Fenerbahce eine Zerrung zuzog und nicht eingesetzt werden konnte. Klaus Rocca

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