Sport : Der Bremer Herbst ist nicht mehr golden.

Das 1:3 gegen Dortmund deckt die Schwächen auf

Frank Hellmann

Bremen - Nieselregen, grauer Himmel. In der Bremer Obernstraße, der Einkaufsmeile der Stadt, sind deshalb in der Nacht zum Samstag die ersten Weihnachtsdekorationen installiert worden. Illuminationen gegen die herbstliche Tristesse, die irgendwie auch Werder Bremen, die vermeintlichen Zauberfußballer der Liga, ergriffen hat. Abgesehen von den 4000 enthemmten Fans von Borussia Dortmund machte sich am Freitagabend das Gros der grün-weißen Kundschaft schweigend auf den Heimweg. Ein 1:3 als Stimmungskiller. Die Kneipenwirte ums Weserstadion, die gewöhnlich nach Werder-Heimspielen Rekordumsätze verbuchen, wunderten sich über die ausbleibende Anhängerschaft.

Bremens belobigten Unterhaltungskünstlern droht nach dem goldenen Oktober ein gar nicht so glorreicher November. „Wir haben die Serie schlechter Spiele fortgesetzt“, sagte Torwart Tim Wiese treffend. Ein fahriges Remis gegen Cottbus, ein glücklicher Sieg in Nürnberg, nun die verdiente Niederlage gegen Dortmund. Bereits heute kann der VfB Stuttgart mit einem Sieg bei Hannover 96 neuer Spitzenreiter werden. „Kann gut sein, dass die Stuttgarter an diesem Wochenende der lachende Dritte werden“, murmelte Werders Sportchef Klaus Allofs. Doch wie gereizt die Stimmung ist, zeigte die Reaktion von Torsten Frings. „Wir haben nach einer starken Serie jetzt mal verloren, sollen wir deshalb die Taschentücher rausholen und in der Kabine heulen?“, fragte er. Anders als in München sucht der Trainer in Bremen immerhin nicht nach Ausreden. „Wir waren nicht in den Zweikämpfen drin“, monierte Thomas Schaaf und ergänzte: „Wir sind nicht so naiv zu glauben, dass wir jedes Spiel gewinnen.“ Auch Allofs nannte die Dinge beim Namen: „Wir haben kein gutes Spiel gemacht: von der Nummer eins bis elf.“ Sein Resümee: „Schlecht gespielt und verdient verloren – insgesamt war das nichts.“

Den Hinweis, dass einigen prominenten Protagonisten offensichtlich die nicht endenden englischen Wochen zu schaffen machen, lässt der Sportchef nicht gelten: „Daran hat es nicht gelegen.“ Wohl aber neben vielen unpräzisen Zuspielen und Pässen, zahlreichen vergebenen Chancen auch an einem Schuss Überheblichkeit. Werders Keeper Wiese sagte: „Einige haben hier wohl gedacht, das Ding läuft von allein.“

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