Sport : Der Bruderkampf

Ferrari leidet unter dem Duell seiner Piloten

Karin Sturm

Magny Cours - Die Ferrari-Piloten Kimi Räikkönen und Felipe Massa beherrschen bis jetzt das Formel-1-Wochenende in Magny Cours: Die Pole-Position eroberte der Finne Räikkönen, ganz knapp dahinter auf Startplatz zwei folgt schon sein Teamkollege Massa beim Großen Preis von Frankreich, der heute (14 Uhr, live bei RTL und Premiere) ausgetragen wird. Beste Ausgangsposition nach dem gestrigen Qualifying für Ferrari also, vor allem besteht für das Team die Chance, in der WM-Wertung wieder die Führung zu übernehmen.

Alles bestens also bei Ferrari?

Eben nicht. Denn Räikkönen und Massa laufen Gefahr, sich so lange zu bekriegen und sich gegenseitig die Punkte wegzunehmen, dass am Ende die Konkurrenz den Weltmeister stellt. McLaren-Chef Ron Dennis kennt so eine Situation. 2007 profitierte Räikkönen im letzten Rennen vom erbitterten teaminternen Streit zwischen den McLaren-Stars Lewis Hamilton und Fernando Alonso. Da sicherte sich der Finne im letzten Augenblick noch den Titel. Jetzt droht Räikkönen das Opfer einer solchen Auseinandersetzung zu werden. Räikkönen und Massa jagen den WM-Spitzenreiter Robert Kubica. Massa hat vier, Räikkönen sieben Punkte Rückstand auf den Polen.

Ferrari hat Probleme, weil es keine klaren Hierarchien mehr gibt: Felipe Massa, zu Michael Schumachers Zeiten bei Ferrari nicht mehr als ein besserer Wasserträger, hat sich deutlich stabilisiert und war zeitweise auch schneller als sein finnischer Teamkollege. Er fügt sich nicht mehr in die Rolle des Mitläufers. Aber er gilt immer noch als wenig nervenstark, wenn der Druck steigt.

Nervenstärke war dagegen immer das Markenzeichen von Räikkönen. Doch diese extreme Selbstsicherheit ist derzeit nicht mehr zu erkennen. Sein verpatztes Rennen in Monaco ist ein Beweis dafür. Da knallte er kurz vor Schluss auf den Deutschen Adrian Sutil. Und dann kam natürlich auch noch Pech dazu. In Kanada musste der Finne aufgeben, nachdem ihn Hamilton gerammt hatte.

Natürlich sind die Ferrari unverändert sehr, sehr schnell, doch das nützt nur wenig, wenn es strategische Probleme gibt. Zudem kommen technische Probleme dazu: Motorschäden oder defekte Tankanlagen. Es führt für die Italiener wohl kein Weg daran vorbei, die Streitereien intern zu lösen und wieder eine Hierarchie aufzubauen. Doch das ist die graue Theorie. In der Praxis fühlt sich Massa inzwischen so stark, dass er nicht ohne weiteres dem Kollegen Räikkönen den Vortritt lassen würde. Karin Sturm

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