Sport : Der Brummkreisel

Friedhard Teuffel

sucht für Bremen einen neuen Vergnügungswart Dies ist eine Stellenausschreibung. Gesucht wird ein neuer Vergnügungswart für den SV Werder Bremen. Denn Amtsinhaber Ailton hat sich gestern beim DFB-Pokalfinale offiziell verabschiedet, der Posten war ihm einfach nicht gut genug bezahlt. Aber immerhin hat es Ailton seinem alten Arbeitgeber leicht gemacht, einen Nachfolger zu finden. Schließlich hat er seinen Wechsel zum FC Schalke 04 schon im vergangenen Jahr bekannt gegeben. Außerdem hat er oft genug gezeigt, was ein Vergnügungswart beim SV Werder leisten muss.

Er muss erst einmal komisch sein, das kann er zum Beispiel mit einem drolligen Laufstil oder einem eigenartigen Körperbau. Ailton etwa bewegt sich im Strafraum wie ein Brummkreisel. Er scheint zwar mit zwei besonders gefühlvollen Füßen auf die Welt gekommen zu sein, aber ohne Hals. Eine wichtige Aufgabe ist zudem, lustige Interviews zu geben. In welcher Sprache, ist egal. Am besten in mehreren auf einmal. Zusammenhängende Sätze sind dabei weniger wichtig. Hauptsache, es entsteht dabei ein authentisches Gefühl, grenzenlose Freude, aber manchmal durchaus Traurigkeit. Ein Vergnügungswart hat auch das Recht, ernst zu sein, wenn er zum Beispiel von seiner Familie spricht, von Heimweh oder sozialem Elend. Ein bisschen Extravaganz soll es jedoch ebenfalls sein. Fürs Pokalfinale hatte sich Ailton extra goldene Fußballschuhe bestellt.

Ein Vergnügungswart ist Spaßmacher, Maskottchen und Gefühlserzeuger in einem. Als solcher wird Ailton den Bremern mindestens so fehlen wie als Torjäger. Gestern bekam er für seine 28 Treffer eine hölzerne Kanone überreicht, die Auszeichnung für den Torschützenkönig. Ailtons Nachfolger erwartet nun die freundliche und weltoffene Atmosphäre eines Champions-League-Teilnehmers. Und was erwartet Ailton? Schalke 04 hat ihn hoffentlich nicht nur als Torjäger verpflichtet.

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