Sport : Der brutale Sieg

Armin Lehmann

sagt, warum Lance Armstrong nicht aufhören darf Siege können sehr verletzend sein – für die Verlierer: wenn der Sieger seine Gegner demütigt, sie vorführt, sie bis ins Detail dominiert, ihnen keinen Raum lässt für Erfolge, die ihm selbst nicht weh tun würden. So ein brutaler Sieger ist Lance Armstrong. Er wird die Tour de France zum sechsten Mal in Folge gewinnen, was niemand vor ihm geschafft hat. Und er wird diese Tour, die aktuelle, so dominiert haben wie kaum ein Fahrer je zuvor. Dennoch hat Armstrong in diesem Jahr mit seinen überwältigenden Leistungen nicht mehr Respekt gewonnen, sondern mehr Menschen, die ihn fürchten.

Armstrong hat diesmal alle Gelegenheiten verpasst, um Anerkennung statt Furcht zu produzieren. Immer hatte er eine logische Erklärung für die Dinge, die der normale Beobachter nicht verstehen wollte: Auf den gestürzten Mayo hat er nicht gewartet, Basso und Klöden hat er im fanatischen Endspurt die Etappensiege entrissen, den angeblichen „Nestbeschmutzer“ Simeoni, der ihm Dopingpraktiken nachsagt, hat er abgestraft, indem er anderen Fahrern befahl, ihn zu ächten (siehe Artikel unten).

Manche glauben, Armstrong demonstriere seine Allmacht nur deshalb, weil er nach der Tour aufhören will. Aber das wäre nicht gut für das Selbstbewusstsein der anderen. Armstrong ist kein Roboter, er ist nur ein sich akribisch vorbereitender Sportler, der immer gewinnen will. Die anderen sollten aufhören, Angst vor ihm zu haben. Sie sollten endlich selbstbewusst, ehrgeizig und besser vorbereitet als dieses Mal versuchen, Armstrong endlich zu besiegen. Er hat es verdient.

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