Sport : Der Bukowski der Bundesliga

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Sven Goldmann über

den Rückfall des Klaus Toppmöller

Klaus Toppmöller hat einen unter Fußballtrainern eher ungewöhnlichen Zeitvertreib. Er liest, und zwar nicht nur die Spielberichte im „Kicker“, sondern Dostojewski. Dessen Roman „Der Spieler“ erzählt die Geschichte eines Mannes, der das Vermögen seiner Familie am Roulettetisch verprasst. Auch Toppmöller spielt, und zwar mit seinem Image. Der „Trainer des Jahres“ der vergangenen Saison ist auf dem unfreiwilligen Weg zurück zu seinen Wurzeln. Um im literarischen Genre zu bleiben: Klaus Toppmöller war zu Beginn seiner Trainerkarriere so etwas wie der Charles Bukowski der Bundesliga, laut, ungehobelt, nichts auf die Meinung der anderen gebend. Den damaligen Bundestrainer Berti Vogts hat er einen Wadenbeißer genannt und den Niedergang des FC Bayern München mit der Formel „Bye bye Bayern“ herbeigesehnt.

Natürlich sind die Bayern oben geblieben, und Toppmöller hat acht Jahre und Stationen in Bochum und Saarbrücken gebraucht, um sich vom Image des Lautsprechers zu lösen. Jetzt scheint ihm ein Jahr zu genügen, alles zu verspielen. Dass Bayer Leverkusen ohne die nach München abgewanderten Michael Ballack und Zé Roberto nicht mehr die Rolle der vergangenen Saison spielen würde, war dabei eher abzusehen als der Rückfall des Trainers in alte LautsprecherZeiten. Platz 14 nach der Hinrunde zeigt Wirkung: Seinen Wunschspieler Simak, den er gegen alle Widerstände im Klub verpflichtet hat, bezeichnete Toppmöller öffentlich als „Pflegefall“, was in der Leitung des Bayer-Konzerns gar nicht gut ankam. Und dass er gestern den Ersatzspieler Berbatow mit einer Geldstrafe von 10500 Euro belegte, weil dieser zu spät zum Bus kam, zeugt auch nicht gerade von Souveränität.

Absteigen wird Leverkusen wohl kaum. Bei Klaus Toppmöller ist das nicht so sicher.

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