Sport : Der BVB und das Millionending: Große Sprüche und kleine Leistungen

Hartmut Moheit

Wer den Mund zu voll nimmt, der braucht sich nicht zu wundern, dass er nicht besonders ernst genommen wird. Das trifft nicht nur auf die Zweitliga-Fußballer von Tennis Borussia zu. Der im Vergleich zu ihnen bettelarme SV Berliner VB steht dafür als ein Beispiel in der Stadt, dass Anspruch und Wirklichkeit auch im Frauenhandball weit auseinander klaffen können. Noch vor einem Jahr verkündeten der Vereinsvorsitzende Klaus-Dieter Lehmann und der Manager Klaus Teichmann mit Inbrunst, dass ihr Team auf jeden Fall erstklassig bleiben würde. Was folgte, war der Abstieg. Und erneut nur große Worte - BVB ernannte sich selbst zum Aufsteiger für dieses Jahr. "Theoretisch können wir es ja noch schaffen, aber ein Elf-Tore-Rückstand aus dem Hinspiel lässt uns kaum Chancen", meint Trainer Rüdiger Bones. 15:26 hieß es vor einer Woche bei der HSG Herrentrup/Blomberg, gegen ein Team, das seit Jahren im Abstiegkampf gestählt ist. "Wir wollen es zumindest probieren, das Wunder noch zu schaffen", meint Bones, freilich ohne dabei viel Optimismus zu verbreiten.

Das haben die Drahtzieher bei BVB über Monate hinweg über alle Maße getan, obwohl sie gerade einmal über ein Team mit Zweitliganiveau verfügten. Nur der chinesischen Weltklassespielerin Chao Zhai war zu verdanken, dass der Relegationsplatz überhaupt erreicht wurde. Sie allein warf 169 der 696 Tore, obwohl sie nicht immer dabei war. Als es akut wurde, wenigstens den Vertrag mit ihr zu verlängern, ließ man sich bei BVB auch noch diesen Trumpf nehmen. "Ich kann es Chao Zhai nicht verübeln, dass sie nach Dänemark gehen wird. Dort spielt sie im Europacup. Dazu in einem Land, das verrückt auf Frauenhandball ist", sagt Rüdiger Bones, ohne Vorwürfe. Sein Hinweis darauf, über die gesamte Saison hinweg "nie eine komplette Mannschaft zur Verfügung gehabt zu haben", und dass "in wichtigen Spielen auch mal eine Chao Zhai versagt", schärft nur das Bild vom Pleitenjahr bei BVB.

"Es muss sich etwas ändern, ein langfristiges Konzept ist nötig", sagt der 41-jährige Trainer, der nicht ständig auf der Stelle treten will. "Jedes Konzept wird vom Geld bestimmt", meint er mit der Erfahrung des seit 1988 hauptamtlichen Trainers. Wenig hilfreich sind dabei "Luftschlösser". Großspurig hatten die BVB-Chefs noch vor ein paar Wochen selbstherrlich verkündet, dass es vom Finanzdienstleister AWD 1,5 Millionen Mark für den Verein geben würde. Vielleicht kommt dieses Geld ja noch, und in der Handballprovinz Berlin brechen wieder rosige Zeiten an. Wer es glaubt ...

Selbst wenn der unglaubliche Fall einträfe, dass BVB heute (18 Uhr, Halle am Anton-Saefkow-Platz) den Aufstieg noch schaffte, ändert dies nichts an dieser Einschätzung. BVB verfügt selbst dann nicht über Erstligaformat. So wird es wohl nur noch Blumen zum Abschied für Chao Zhai geben. Rüdiger Bones plant, danach ein paar Tage an die Ostsee zu fahren, um etwas Abstand zu gewinnen. "Dann werden wir uns zusammensetzen müssen. Nur ein wirklicher Neuanfang bringt etwas", sagt er. Im vergangenen Jahr hatte Bones ausgerechnet ein Angebot der HSG Herrentrup/Blomberg ausgeschlagen, weil er BVB in die erste Liga führen wollte. Es stellt sich die Frage, ob er sich eine solche Chance im besten Traineralter noch einmal entgehen lassen würde. Zu hören war bereits, dass Herrentrup/Blomberg für die neue Saison erneut einen Coach suche.

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