Sport : Der Chef des NOK beklagt sich über die Arroganz der Veranstalter

Jürgen Magh

Gut ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Sydney (16. September bis 1. Oktober 2000) hat Walther Tröger, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK), Kritik an den Organisatoren der Spiele in Australien und am Internationalen Olympischen Komitee (IOC) geübt. "Die Organisatoren in Sydney haben zweifellos vom Studium der Vorgängerspiele in Atlanta gelernt. Eine Zeit lang schien es, als würden daraus sinvolle Konsequenzen gezogen. Inzwischen jedoch droht die Gefahr, die Umsetzung mit Arroganz und Überheblichkeit zu versehen", schrieb Tröger im NOK-Report.

Hinzu kämen, so Tröger, "unzulängliche Versuche der australischen Organisatoren, in der Diskussion befindliche und anstehende Reformen des IOC in ihre Arbeitspraktiken einzubeziehen." Der NOK-Chef räumt ein, dass die Reformbemühungen "noch im Fluss und längst noch nicht konkretisiert sind". Mit Schuld daran sei aber, "dass das IOC seine Beziehungen zu Bewerbern und Organisations-Komitees nach wie vor unzureichend definiert und geregelt hat, nicht so sehr im technischen Detail, als vielmehr Qualität und Geist der Partnerschaft betreffend." Tröger hofft, dass "dies im Zuge der laufenden Beratungen der Kommission IOC 2000 bereinigt werden kann".

Da die Spiele 2000 nicht nur im Blickpunkt der Olympischen Familie, sondern der gesamten sportinteressierten Welt stünden, bildeten die "Jahrtausendspiele eine Weggabelung zum Guten oder zum Schlechten". Daher sehe sich das NOK "in der Pflicht aktiver Mitgestaltung der Zukunft".

Während das NOK für Deutschland sportpolitisch manch anstehenden Entwicklungen "mit gemischten Gefühlen" entgegensieht, stimme die leistungssportliche Situation der olympischen Fachverbände alles in allem "verhalten optimistisch". Zum Bemühen um ein bestmögliches Umfeld für die Olympiavorbereitungen der Mitgliedsverbände "gehört nicht zuletzt unsere kompromisslose Haltung im Kampf gegen das Doping-Unwesen".

Als sportliches Ziel für eine rund 460-köpfige deutsche Mannschaft in Sydney nennt Ulrich Feldhoff, Vorsitzender des Bereichs Leistungssport im Deutschen Sportbund (DSB), "den dritten Platz in der Nationenwertung wie 1996 in Atlanta zu behaupten". Als Hauptrivalen sieht er die USA, Russland, Gastgeber Australien und China.

Weiterhin wünscht sich Feldhoff, Präsident des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) und DSB-"Vize", in Sydney "trotz immer stärker werdender internationaler Konkurrenz das Erreichen von 220 Endkampf-Platzierungen". In Atlanta waren es 211 Plätze unter den besten Zehn der Welt, darunter 65 Medaillen in 20 Sportarten. In Sydney wurde das Programm gegenüber Atlanta um 29 Wettbewerbe aufgestockt.

Als große Stützen für dieses Unterfangen sieht Ulrich Feldhoff neben den Leichtathleten, Schwimmern und Wasserspringern ("Sie deuten ein gutes Leistungspotential unserer Aktiven ein Jahr vor Olympia an") vor allem die Reiter, Schützen, Bogenschützen, Segler, Kanuten und Ruderer nach "zum Teil großartigen Leistungen". Sie gäben Anlass zu berechtigten Medaillen-Hoffnungen.

Mit Stolz verweist Feldhoff auf die Nachwuchsarbeit hier zu Lande: "Gerade die Integration von jungen Athletinnen und Athleten in die Nationalmannschaften unserer Spitzenverbände ist in den letzten Jahren sehr gut gelungen."

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