Sport : Der Chef ist die Mannschaft

Der Hamburger SV gewinnt 3:1 beim FSV Mainz 05, weil viele Spieler Verantwortung tragen

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Auch der Hamburger SV hat in diesem Jahr ein Wahlversprechen abgegeben. Es werde dem Fußballstandort Hamburg besser gehen und einen neuen HSV geben mit neuem, effizientem Fußball. Bislang hat der HSV sein Versprechen gehalten, zuletzt gestern mit einem 3:1Sieg beim FSV Mainz 05. Und es ist auch nicht mehr Sergej Barbarez alleine, der Gefühlswallungen bei den Hamburger Anhängern erzeugt, er kann mittlerweile sogar genüsslich zusehen, wie andere in seine Rolle schlüpfen.

Nachdem beim ersten Auswärtssieg in Bielefeld noch Barbarez den Zaun vor dem Fanblock hinaufgeklettert war, um mit den Fans zu jubeln, gab in Mainz Rafael van der Vaart den Takt für die Lobgesänge der Fans vor. „Wir sind eben ein Team, und das macht uns stark“, sagte Barbarez. „Da muss ich nicht immer den Chef spielen.“

Dem Spiel des HSV scheint die neue Machtverteilung gut zu tun. Mit großer Konzentration gewannen die Hanseaten am Mainzer Bruchweg, sodass Trainer Thomas Doll nun bereits Fragen nach höheren Zielen wie der Meisterschaft abwehren musste. „Wir vergleichen uns noch lange nicht mit Mannschaften, die die Bundesliga seit Jahren dominieren. Es ist nur eine schöne Momentaufnahme, auf Augenhöhe mit denen zu sein.“

Verblüffend ist indes schon, wie abgeklärt die Hamburger spielten. Die dicht gestaffelte Abwehr um Kapitän Daniel van Buyten ließ sich vom aggressiven Beginn der Gastgeber nicht aus der Ruhe bringen. Nach dem ersten erfolglosen Anrennen der Mainzer übernahmen die Hamburger die Regie und belagerten das gegnerische Tor mit einer Serie von gefährlichen Eckbällen und Freistößen durch Mehdi Mahdavikia und van der Vaart so lange, bis dem Mainzer Torwart Dimo Wache kurz vor dem Pausenpfiff doch noch ein Fehler unterlief. Nach einer Ecke ließ er sich von Raphael Wicky austricksen und den Ball quasi aus den fangbereiten Handschuhen ins Tor köpfen. „Unser Selbstvertrauen erlaubt es uns, auf solche Situationen zu warten und die dann zu nutzen“, sagte Wicky nach seinem zweiten Saisontor.

In der zweiten Halbzeit postierten sich die Hamburger samt ihrer Selbstüberzeugung noch massiver vor dem eigenen Tor und schonten die Muskeln für das Uefa-Cup-Spiel in Kopenhagen. Die Mainzer warteten wieder vergeblich auf Gelegenheiten, mit ihrem gefürchteten Pressing Angriffspunkte zu finden. Trotz der beiden stürmenden Neuverpflichtungen Mohamed Zidan und Romulos Marcos Antonelli wirkten sie zu wenig durchschlagskräftig. Stattdessen nutzten die in allen 13 Pflichtspielen dieser Saison in Meisterschaft, Pokal und UI-Cup ungeschlagenen Hamburger den ersten Fehler in der zweiten Halbzeit zum 2:0 (55.). David Jarolim bediente nach einem Fehler im Mainzer Spielaufbau Mahdavikia, der aus sieben Metern einschob. Das erste Saisontor der 05er durch einen Kopfstoß des eingewechselten Petr Ruman in der 69. Minute brachte nur 120 Sekunden lang neue Hoffnung am Bruchweg. Dann konterte der HSV die Mainzer erneut aus. Van der Vaart schoss nach einem wunderschönen Pass von Lauth zum Endstand ein.

Während der HSV mit dem Sieg den dritten Tabellenplatz festigte, schwindet in Mainz allmählich die euphorische Stimmung der Vorsaison. Torschütze Ruman sagte: „Wir müssen aus den bisherigen Spielen das Positive herausziehen. Und ein Tor ist das Positivste, was es gibt.“

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