Sport : Der Chef soll schweigen

Die Fifa plant WM ohne Beckenbauers Grußworte

Robert Ide[Hamburg]

Die Eröffnungsfeier der Fußball-Weltmeisterschaft hat einen neuen Streit zwischen dem Welt-Fußballverband Fifa und dem deutschen WM-Organisationskomitee um Präsident Franz Beckenbauer ausgelöst. Nach Informationen des Tagesspiegels plant die Fifa derzeit, die WM ohne ein offizielles Grußwort Beckenbauers zu eröffnen. Bei der Feier vor dem Eröffnungsspiel zwischen Deutschland und Costa Rica am 9. Juni sollen Fifa-Präsident Joseph Blatter und Bundespräsident Horst Köhler sprechen, heißt es in Organisationskreisen. Deutsche WM-Planer werten das als Affront gegen Beckenbauer. Zwischen der Fifa und dem Organisationskomitee hatte es schon Auseinandersetzungen über den Ticketverkauf gegeben, den die deutschen Organisatoren managen und den die Fifa als zu kompliziert kritisierte. Zudem hat die Absage der Eröffnungsgala am 7. Juni in Berlin durch die Fifa zu nachhaltigen Verstimmungen geführt.

Beckenbauer versuchte am Rande eines WM-Kulturfestes am Freitagabend in Hamburg, den Konflikt nicht anzuheizen. „Das Protokoll macht die Fifa, darauf haben wir keinen Einfluss“, sagte Beckenbauer. „Ich dränge mich nicht unbedingt auf, um eine Rede zu halten.“ In Organisationskreisen heißt es, dass die Verhandlungen über die Feier nicht abgeschlossen seien, „Spiegel Online“ berichtete dagegen von einem Protokoll, nach dem die Rednerliste ohne Beckenbauer bereits feststehe. Die Fifa bemühte sich gestern um Schadensbegrenzung. „Zu protokollarischen Fragen äußern wir uns nicht. Noch befindet sich alles im Fluss“, sagte Fifa-Kommunikationsdirektor Markus Siegler. Es sei „normal, dass Weltmeisterschaften vom Staatspräsidenten eröffnet werden“. Innerhalb der Fifa wird befürchtet, dass Blatter bei seiner Ansprache ausgepfiffen werden könnte. Beckenbauer hätte in seiner Heimatstadt München dagegen mit Applaus rechnen können.

Nach Informationen des Tagesspiegels gibt es nicht nur Streit um die Reden, sondern auch um die zu zeigenden Symbole. Demnach will die Fifa verhindern, dass ein Schriftzug „Germany 2006“ enthüllt wird. André Heller, der Leiter des WM-Kulturprogramms und Verantwortliche für die Eröffnungsfeier in München, wollte dies nicht dementieren. „Derzeit habe ich die Information, dass der Schriftzug nicht gezeigt werden soll“, sagte Heller. „Die Frage ist jetzt, wie tapfer das Organisationskomitee dem Druck aus Zürich standhält.“ Vergangene Woche war bereits bekannt geworden, dass auch der WM-Song von Herbert Grönemeyer auf Geheiß der Fifa beschnitten werden soll. Das Lied, das eigentlich fünf Minuten Länge haben sollte, „muss wegen der geplanten Reden auf drei Minuten gekürzt werden“, wie Heller sagte. Eine Sprecherin Grönemeyers wollte von einem Streit mit der Fifa allerdings nichts wissen. Denkbar ist, dass Grönemeyer, der während seines Auftritts auf einem Luftkissen durch die Münchner Arena gefahren werden soll, knapp vier Minuten singt. Intern wird auch diskutiert, die eigentlich auf 20 Minuten beschränkte Feier um fünf bis zehn Minuten zu verlängern.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben