Sport : Der Cut ist immer schon da

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Wer diese Spalte regelmäßig liest, ist schon mehrmals auf eine immer wiederkehrende Meldung gestoßen. Man übersieht sie leicht, sie wirkt weder so spektakulär wie die ebenso häufige Nachricht „Pechstein klagt gegen Urteil“, noch zieht sie Häme nach sich wie der Evergreen „Matthäus trennt sich von Ehefrau“. Neben ihr verblassen selbst Klassiker wie „Basketball-Bundesligist verpflichtet US-Amerikaner“ oder „DEL- Team vor Insolvenz“. Denn hinter jenen vier Worten verbirgt sich ungeahnte Dramatik: „Cejka scheitert am Cut.“

Der ewige Kampf zwischen Cejka und dem Cut hat in den vergangenen Jahren eine mythische Bedeutung erlangt wie das Duell zwischen Kapitän Ahab und dem weißen Wal oder Don Quijotes vergebliches Anrennen gegen die Windmühlen. Als tragischer Held bereist Alexander Cejka, bewaffnet nur mit einem Set Golfschläger, die gesamte bekannte Welt. Doch ob in Toronto, Fort Worth/Texas, Scottsdale/Arizona, Duluth/Georgia oder in Rio Grande auf Puerto Rico: Wo immer Cejka auch ankommt – der Cut ist schon da. So muss sich Sisyphos fühlen, wenn er seinen Stein fast an die Kuppe des Hanges gerollt hat. Wer hat nicht sofort Cejka vor Augen, wenn er Homers Beschreibung von Sisyphos’ Mühen liest: „Und es rann der Schweiß ihm von den Gliedern, und der Staub erhob sich über sein Haupt hinaus“? Cejkas Scheitern ist universell: Weil er dem großen Cut immer wieder unbeirrt die Stirn bietet, können wir die vielen kleinen Cuts, die in uns allen wohnen, überwinden.

Laut Wörterbuch hat das englische Verb „to cut“ viele Bedeutungen: schneiden, aufritzen, ausstanzen, fräsen. Cejka wird in diesem Dezember 40 Jahre alt – wie lange wird er sich noch für uns ritzen lassen? Als Schmerzensgeld hat Alexander Cejka auf der amerikanischen PGA-Tour bis heute 7 170 821 Dollar verdient. Das mag viel erscheinen – genug ist es beileibe nicht.

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