Sport : Der da kommt zur rechten Zeit

Albas Greene feiert ein überragendes Comeback

Helen Ruwald

Berlin – Demond Greene übernahm sofort die Führung. Der Basketball-Nationalspieler lief bei der Ehrenrunde vor seinen Teamkollegen von Alba Berlin um das Spielfeld in der Max-Schmeling-Halle. Philip Zwiener war dicht hinter ihm und gab ihm im Laufen einen Klaps, die übrigen Profis folgten nach dem 87:82 gegen TBB Trier mit einigem Abstand. Es mag Zufall gewesen sein, dass Demond Greene voraus lief, doch es passte ins Bild. Vor fünf Monaten hatte er mit verdrehtem Fuß in der Halle gelegen. Sprunggelenkverrenkungsbruch, fünf Monate Pause. Am Sonnabend gab Greene sein Comeback. Und was für eines: Zwölf Punkte in 16 Minuten, vier von fünf Dreiern getroffen – und das zu entscheidenden Zeitpunkten. „Ich hatte mir nicht viel erhofft“, sagte Greene, „ich wollte dabei sein, auf- und ablaufen und verteidigen.“ Stattdessen war er der beste Dreierschütze auf dem Feld, und in der ersten Halbzeit sofort wieder Antreiber und Motivator.

„Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen“, gab Greene nach dem Spiel zu. Mit körperlichen Beschwerden hatte er durchaus zu kämpfen – im Oberschenkel. Eine Muskelverhärtung machte ihm zu schaffen, „meinem Fuß ging es besser als dem Oberschenkel“. Nach dreieinhalb Minuten Spielzeit schickte ihn Albas Trainer Henrik Rödl erstmals aufs Spielfeld. Die Gastgeber, denen zwei Spieltage vor Hauptrundenende der erste Tabellenplatz nicht mehr zu nehmen war, wirkten vor 8223 Fans uninspiriert und lagen schnell 9:19 zurück. 42 Sekunden war Greene im Spiel, als er erstmals bewies, dass er das Gefühl für den Ball nicht verloren hat: Dieser flog beim ersten Dreierversuch sofort durchs Netz. Noch zweimal traf Greene im ersten und zu Beginn des zweiten Viertels aus der Distanz, der dritte Korb bedeutete das 26:28, Alba hatte den Anschluss geschafft.

In der zweiten Halbzeit war von Greene dann nicht mehr viel zu sehen – bis zur letzten Spielminute. Alba lag nach zwischenzeitlicher Zehn-Punkte-Führung nur noch 82:80 vorn. Eine Niederlage, die nicht die Tabellensituation beeinflusst, womöglich aber die Psyche der Berliner angegriffen hätte, war möglich. Wieder war Demond Greene zur Stelle und stellte mit seinem vierten Dreier den Sieg endgültig sicher.

„Nach so einer Verletzung sind Hochs und Tiefs programmiert“, sagte Greene, „es ist gut, dass ich mit einem Hoch angefangen habe.“ Trainer Henrik Rödl äußerte sich zurückhaltender: „Wir wissen, dass es der Anfang ist. Ich habe schöne Ansätze von Demond gesehen und zum Teil schon gute Verteidigung.“

Greenes Körpersprache drückte zu Spielbeginn mehr Siegeslust und Energie aus als die seiner Mannschaftskollegen, die sich zwei Wochen vor Beginn der Play-offs nicht wie ein künftiger Deutscher Meister präsentierten. Neben den an der Leiste operierten Nenad Canak und Kirk Penney fehlt derzeit auch Chris Owens mit einer Fersenverletzung. Da kommt Kämpfer Greene trotz aller noch vorhandener Defizite genau zum richtigen Zeitpunkt zurück ins Team. Am Sonnabend beendet Alba in Braunschweig die Hauptrunde, am 20. Mai beginnen die Play-offs gegen noch zu ermittelnden Achten, Leverkusen oder Quakenbrück. „Das war heute nicht mit den Play-offs zu vergleichen. Die Play-off- Form sieht man erst im ersten Viertelfinalspiel“, sagte Greene, den die Probleme seines Teams nicht beunruhigten. Allerdings ist er sich bewusst, dass das Viertelfinale ein harter Kampf werden wird. Die deutschen Basketballfans hätten schließlich ganz genau verfolgt, wie die Dallas Mavericks, das beste NBA- Team der regulären Saison, in der ersten Play-off-Runde gescheitert seien. „Der Bundesliga-Achte wird sich auch vornehmen, das beste Team zu schlagen“, sagt Greene. Er will dazu beitragen, dass es nicht so weit kommt – am besten mit ein paar Dreiern zur rechten Zeit.

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