Sport : Der Dauertrend

Nächste Woche beginnt die Beachvolleyball-WM in Berlin – und wird die gestiegene Bedeutung der Sportart zeigen

Karsten Doneck

Berlin - Der Volleyballverein Phönix Schwerte von 1987 hatte sich etwas Besonderes ausgedacht. Trainer, Vereins- und Hobbyspieler sollten am 1. Mai gemeinsam die Beachvolleyball-Saison eröffnen. Für diese Veranstaltung hatte der Verein sogar Bundestrainer Andreas Künkler gewinnen können. Die Sache hatte nur einen Haken. In Schwerte und Umgebung war das Interesse gering. Die Veranstaltung fiel mangels Teilnehmern aus.

Werner von Moltke würde sich darüber nur wundern. Der Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) sagt: „Beachvolleyball ist der Trendsetter.“ Hat er Recht? Es scheint in der Tat, als sei Schwerte nur eine Ausnahme gewesen. Volleyball im Sand und nicht einmal am Strand, sondern mitten in großen Städten – das kommt an. Das Hauptstadion für die Weltmeisterschaften vom 21. bis 26. Juni auf dem Schlossplatz in Berlin ist angelegt für 8000 Zuschauer, dazu kommt ein Nebenplatz für 2000 Besucher. Viele Plätze, so glauben die Veranstalter, werden bei der WM nicht frei bleiben. „Nur richtig böses Wetter kann uns einen Strich durch die Rechnung machen“, sagt Turnierdirektor Siegbert Brutschin.

Auch finanziell stößt Beachvolleyball in neue Dimensionen vor. Der Etat für die WM liegt bei rund 2,5 Millionen Euro. Eine Million US-Dollar werden als Preisgeld ausgeschüttet. Kein Wunder also, dass von Moltke so begeistert ist vom Beachvolleyball. Doch solche Trends kommen schnell, und nach einiger Zeit verschwinden sie wieder. Auch der Boom im Beachvolleyball verzeichnet immer wieder Rückschläge: Das erste Turnier der diesjährigen World Tour Ende März in Kapstadt wurde überraschend und sehr kurzfristig abgesagt. Der Weltverband FIVB begnügte sich mit der lapidaren Mitteilung, es habe im organisatorischen Bereich Unstimmigkeiten gegeben und finanzielle Auflagen seien nicht erfüllt worden. „Wirklich demotivierend“ sei das gewesen, maulte Robert Nowotny, WM-Teilnehmer aus Österreich.

Doch solchen Flops stehen reichlich Erfolgsmeldungen gegenüber. Beachvolleyball lässt sich in letzter Zeit in Deutschland weitaus besser vermarkten. Ein Grund dafür: Die deutschen Spitzenspielerinnen und Spitzenspieler sind inzwischen auf einem so hohen Niveau angekommen, dass sie bisweilen sogar das Preisgeld für den Sieger kassieren. Susanne Lahme, Danja Müsch, Stephanie Pohl und Okka Rau brauchen sich seit geraumer Zeit kaum mehr vor den einst übermächtigen Zweier-Teams aus Brasilien zu fürchten. Bei den Dieckmann-Brüdern Markus und Christoph, bei Jonas Reckermann und Andreas Scheuerpflug ist das genauso. Markus Dieckmann/Jonas Reckermann zum Beispiel sind amtierende Europameister, kürzlich beim Turnier in Schanghai haben Christoph Dieckmann und Andreas Scheuerpflug das Endspiel gegen Emanuel/Ricardo 2:1 gewonnen. Die beiden Brasilianer galten als nahezu unschlagbar, sie sind Olympiasieger und Weltmeister.

Auch das Fernsehen hat seine Sympathie für diese Sportart entdeckt. Und glänzt seinerseits mit ersten Bilanzen: Unlängst beim Masters in Hamburg, so meldete RTL, sollen beim Spiel von Stephanie Pohl und Okka Rau 2,3 Millionen Zuschauer vor dem Fernseher mitgefiebert haben. Haben sich auch wirklich alle für die Volleyballerinnen interessiert? Etwas kleinlaut gibt RTL zu, dass die Übertragung kurz nach dem Formel-1-Rennen auf dem Nürburgring – Einschaltquote 8,15 Millionen Zuschauer – zu sehen war. „Beachvolleyball ist eine Randsportart, aber im Trend und aufstrebend. Sie steht für Fun, für Party, es ist ein Mix aus Sport und Lebensgefühl“, schwärmt RTL-Pressesprecher Matthias Bolhöfer. RTL wird mehr als sieben Stunden lang von der WM in Berlin übertragen, und zwar täglich. Und zunächst zur schlechtesten Sendezeit: morgens vor 10 Uhr und spät nach Mitternacht. Die Finalspiele, immerhin, werden dann aber am Wochenende live übertragen, am Nachmittag.

Für Okka Rau vom Hamburger SV, Lehramtsstudentin mit Wohnort Kiel, hat die WM in Berlin trotzdem nicht nur eine sportliche Komponente. Sie sieht noch Wachstumspotenzial in gewissen Bereichen. „Es geht auch darum, den Sport populärer zu machen, Sponsoren zu begeistern und neue zu akquirieren – damit Beachvolleyball in Deutschland groß wird“, sagt sie. So groß, wie es in Brasilien längst ist. Dort haben die Beachvolleyballerinnen Ana Paula und Leila just einen Geldgeber aufgetrieben, der ihnen die Flüge zu den 13 Auslandseinsätzen auf der World Tour bezahlt. Der Gönner ist – Ronaldo, Brasiliens Fußball-Idol, derzeit bei Real Madrid beschäftigt. Wenn Okka Rau ähnliche Aufmerksamkeit erreichen will, müsste sie nur Michael Ballack fragen.

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