Sport : Der den Piniennadeln-Schlag beherrscht

Weil Augusta risikoreiche Spieler bevorteilt, ist Golf-Chaot Phil Mickelson der Favorit beim US Masters

Petra Himmel[Augusta]
Aus diesem Holz sind Sieger von Majorturnieren geschnitzt. Phil Mickelson bei seinem Auftritt in Augusta vor einem Jahr. Er riskiert Schläge, die andere sich nicht trauen. Foto: dpa
Aus diesem Holz sind Sieger von Majorturnieren geschnitzt. Phil Mickelson bei seinem Auftritt in Augusta vor einem Jahr. Er...Foto: picture alliance / dpa

Zurück in Augusta: Nichts hat sich geändert. Der Savannah River fließt träge wie eh und je durch das Südstaaten-Städtchen. Die vierspurige Washington Road mit ihren Supermärkten und Discount- Restaurants, die zum Augusta National Golf Club führt, ist so hässlich wie eh und je, und vom Golfplatz ist hinter einem Wall riesiger Hecken nichts zu erkennen. Wenn sich das gusseiserne Tor neben dem Pförtnerhaus öffnet, den Blick auf die Zufahrtsallee voller Magnolien freigibt, ist das altbekannte Kribbeln im Bauch zurück. Die Aufregung über das erste Major-Turnier des Jahres, das am Donnerstag beginnt, macht vor keinem Golfer halt. „Jedes Mal wenn ich nach Augusta fahre, bekomme ich unheimlich viel Energie“, beschreibt Phil Mickelson seine Beziehung zum US Masters. „Ich freue mich wieder wahnsinnig auf das Golfspiel und verliebe mich wieder richtig darin.“

Phil Mickelson hat in der vergangenen Woche zweieinhalb Tage in Augusta National verbracht und Proberunden gespielt. Er hat sich die nötige Energie geholt, um ein Jahr nach seinem Sieg beim US Masters zum Favoriten dieser Turnierwoche aufzusteigen. Bei den Houston Open legte der Amerikaner am Wochenende zwei Sensationsrunden mit 63 und 65 Schlägen ein, holte sich den Sieg und kletterte in der Weltrangliste vor auf Rang drei.

Dabei lamentierten Fachleute seit Wochen darüber, dass es in diesem Jahr keinen wirklichen Favoriten gäbe, dass Mickelson und Tiger Woods von aufstrebenden Europäern in der Weltrangliste nach unten durchgereicht würden. Jetzt aber ist alles anders. Der Sieg in Houston war in gewisser Weise typisch für den 40-jährigen Amerikaner: völlig unvorhersehbar, mit genialen Schlägen gespickt, von ein klein wenig Chaos begleitet – ganz sein Stil.

Wie so oft in den vergangenen Jahren hatte Mickelson auch in diesem Jahr beschlossen, ein wenig mit seinen Drivern herumzuprobieren. Seine eigenwillige Idee, dem Platz mit zwei Drivern für unterschiedliche Flugbahnen zu Leibe zu rücken, hat ihm im Jahr 2006 viel Gelächter eingebracht. Die Häme verstummte nach seinem Sieg. In Houston entdeckte Mickelson nun einen Riss in einem der Driver. Der Entwicklungschef seines Schlägerausrüsters flog persönlich mit Ersatzschlägern ein. „Er wollte sichergehen, dass ich die richtigen Modelle hatte“, sagte Mickelson zufrieden.

Jetzt ist Mickelson mit allen seinen Schlägern in Augusta angekommen. Vollgepumpt mit Selbstvertrauen sonnt er sich in der Aufmerksamkeit. Das ist keine Rolle, die einen extrovertierten Menschen wie ihn stört. Augusta ist die perfekte Bühne für ihn, auf der er sein Repertoire entwickeln kann. „Er ist einfach ein Spieler mit natürlichem Touch, ein Gefühlsspieler“, meint Tom Watson, achtfacher Majorsieger, über seinen Kollegen. „Genau das ist hier der Schlüssel zum Erfolg.“

Erfahrung, das Wissen um die versteckten Brechungen der Grüns, die schwierigen Anspielwinkel der Puttflächen, hat in Augusta National eine weit größere Bedeutung als auf jedem anderen Platz. Der Platz verlangt Kreativität, manchmal leicht wahnsinnige Entscheidungen. 2010 legte Phil Mickelson mit einem riskanten Schlag aus Piniennadeln unter einem Baum am 13. Loch den Grundstein für seinen Sieg und meinte später: „Ein großartiger Schlag ist, wenn man sich traut. Ein kluger Schlag ist für Leute ohne Mumm.“

„Das ist eben Phil“, sagt Steve Loy, seine langjähriger Manager. „Schwächere Spieler benutzen immer das Argument, sie wollten sich nicht selbst schlagen. Er zieht es einfach vor, so dreist zu sein und den Mut für Schläge aufzubringen, die kaum ein Mensch kann.“ Die Fans in Augusta lieben ihn für seine spielerische Extravaganz.

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