Sport : Der deutsche Amerikaner

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Von Ingo Wolff

Berlin. Wenn Patrick Venzke heute in Düsseldorf gegen Berlin Thunder das Rheinstadion betritt, wird der Lärmpegel der Fans von Rhein Fire noch um einiges steigen. Der Hüne ist das Idealbild eines Footballers: stark, groß und nicht zimperlich. Was in Düsseldorf aber noch mehr zählt: Patrick Venzke ist Deutscher, ein Einheimischer, keiner von den unzähligen US-Jungs, mit denen sich die Fans kaum identifizieren können.

Natürlich gibt es die Pflichtspieler, die zum Auffüllen der Mannschaften gedacht sind. So genannte Nationals, die die National Football League per Quote für jedes Team festgeschrieben hat. Doch normalerweise dient diese Quote nur dazu, um nicht nachgesagt zu bekommen, man spiele hier mit einer amerikanischen Marionetten-Liga. Irgendwie soll glaubhaft gemacht werden, dass sich der Sport weltweit durchsetzt.

Deshalb hat also jedes Team Nationals: Typen wie Manfred Burgsmüller, den Kicker von Rhein Fire, und Axel Kruse, sein Pendant bei Berlin Thunder, den Berliner Passempfänger Jörg Heckenbach oder den Düsseldorfer Richard Yancy. Es sind alles gute Footballer – gut für die NFL Europe, aber eben nicht gut genug für die richtige NFL. Und genau das hat ihnen Patrick Venzke voraus. Der Essener ist der einzige Deutsche, der in der NFL spielen darf. Bei den Jacksonville Jaguars in der Offensive Line. Doch weil der Deutsche in Florida noch nicht viel zum Spielen kam, wurde er von seinem Team für ein Jahr zum Üben in seine Heimat zurückgeschickt. Ein Glücksfall für Rhein Fire, denn die Mannschaft hat nun den prominentesten deutschen Footballer in ihren Reihen.

Doch mit dem Vertrag bei den Jaguars gilt Venzke aus Sicht der NFL als Amerikaner, auch wenn er nach wie vor einen deutschen Pass besitzt. Er zählt - so kurios es klingen mag - nicht mehr als National. Der Begriff ist ohnehin irreführend. Denn als Nationals werden alle Nicht-Amerikaner bezeichnet. Alleine bei Thunder sind zwei von acht National-Plätzen mit Franzosen besetzt. Möglicherweise ist das ein Hinweis auf einen der beiden zukünftigen Standorte, wenn die Liga erweitert wird. Beim Duell zwischen Thunder und Düsseldorf werden auch französische Beobachter im Rheinstadion sein. Zusammen mit wohl mehr als 40 000 Zuschauern. Es geht um einiges in diesem Spiel. Die Partie ist vorentscheidend für den Einzug in den World Bowl. Gewinnt Rhein Fire, ist der zweite Platz hinter Frankfurt fast sicher. Siegt Thunder mit mehr als fünf Punkten, schließen die Berliner auf und lägen bei Punktgleichheit am Saisonende vor den Düsseldorfern. Das Team um Patrick Venzke wird aber alles daransetzen, das Finale am 22. Juni im eigenen Stadion zu erreichen.

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