Sport : Der Deutsche Basketball-Meister erkennt erst in der Europaliga seine wahre Stärke

Dietmar Wenck

Der Slowenische Basketball-Meister Olimpija Ljubljana und der deutsche Titelträger Alba Berlin, die morgen (20 Uhr, Schmeling-Halle) in der Europaliga aufeinandertreffen, haben vieles gemein. Den reichen Vereinen aus Griechenland, Italien, der Türkei oder Spanien bieten sie erfolgreich Paroli, indem sie Jahr für Jahr selbst Talente produzieren, die es mit teuren Stars aufnehmen können. Trotz verlockender Auslandsangebote halten die Trainer Zmago Sagadin und Svetislav Pesic ihren Klubs die Treue. Sagadin schlug eine Offerte von Real Madrid aus, Pesic widerstand dem Reiz, zu Paok Saloniki zu wechseln. In ihren Ländern sind beide Mannschaften seit Jahren dominant. Olimpija wurde acht Mal in Folge Slowenischer Meister; Alba ist mit drei Meisterschaften in Serie auf demselben Weg. Die Berliner feierten soeben mit ihrem 109:46 über den SSV Ulm einen Bundesliga-Rekordsieg. Ljubljana bezwang in seiner Liga Loko Kava 103:46 und führte zwischendurch sogar schon mit 70 Zählern. Leichtes Spiel.

Doch es gibt vor dem fünften Vergleich der beiden in der Europaliga (Ljubljana führt 3:1) einen entscheidenden Unterschied, der Svetislav Pesic Sorgen bereitet. Während Olimpija sich planmäßig auf die Saison vorbereiten konnte, trifft dies auf Alba und seinen akribischen Trainer nicht zu. Einmal abgesehen davon, dass der neue Spielmacher Frankie King erst relativ spät verpflichtet wurde und außerdem einen Teil der Vorbereitung durch den Tod seines Vaters verpasste. Ende August wollten Pesic und sein Team wie gewohnt beim internationalen Turnier in Belgrad die ersten ernsthaften Tests gegen die europäische Elite bestreiten. Doch wegen des noch schwelenden Kosovo-Krieges und des deshalb weiterbestehenden Landeverbots in der jugoslawischen Hauptstadt fiel das Turnier aus. Testspiele gegen Fenerbahce Istanbul und AEK Athen konnten wegen der Erdbeben in Südosteuropa nicht stattfinden. Das war schlicht höhere Gewalt. Was blieb, waren wenig aussagekräftige Vergleiche mit dem Estnischen Meister Tallinn, Slask Wroclaw und französischen Teams aus der zweiten Reihe - insgesamt 13 Spiele, von denen neun gewonnen wurden.

Ljubljana dagegen probte in seinen letzten sechs Spielen mit Mannschaften von anderem Kaliber: Panathinaikos Athen (92:74), Tofas Bursa (80:64), Cibona Zagreb (84:70), Fenerbahce Istanbul (74:61), Iraklis Saloniki (87:73) oder ZSKA Moskau (104:71) wurden dabei allesamt glatt geschlagen. Das sind feine Siege fürs Selbstvertrauen einer Mannschaft, die wie Olimpija Ljubljana mit acht neuen Spielern auf die Saison hinarbeitet. Die bekanntesten von ihnen sind der NBA-erfahrene Marko Milic, der wendige Center Emilio Kovacec (bisher KK Zadar), der litauische Nationalspieler Sarunas Jasekevicius (Zalgiris Kaunas) und das erst 18-jährige Supertalent Sani Becirovic. Prompt gewannen die Slowenen in der Europaliga zum Auftakt 73:63 gegen Real Madrid.

Solche Erfolgserlebnisse hatte Alba nicht, nur drei Siege in der Bundesliga gegen schwache Konkurrenz. Deshalb reagiert Pesic unwirsch, wenn er liest und hört, sein Ziel sei das Final Four der Europaliga und seine Mannschaft das beste Alba-Team aller Zeiten. "Wir haben viel Potenzial, aber wir kennen unsere Qualität noch nicht", sagt er mangels ernsthafter Vergleiche. Das einzige Spiel gegen ein Topteam Europas ging verloren, und das war kein Test mehr, sondern schon der Europaliga-Ernst bei Tofas Bursa (66:76). Da zeigte sich, was noch fehlt: 40 Minuten lang auf hohem Niveau gegen einen mindestens gleichstarken Gegner mitzuhalten. Morgen also folgt die zweite Probe aufs Exempel. Und obwohl die Testgegner fehlten: Die Testphase muss für Alba Berlin nun allmählich abgeschlossen sein.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben