Sport : Der Deutsche Bob-Meister im Zweier erklärt Weltcup-Verzicht

Torsten Teichert

Olympiasieger Christoph Langen hat die nationale Konkurrenz gleich doppelt geschockt. Zunächst zeigte der 37 Jahre alte Spitzenpilot vom BRC Unterhaching bei den Deutschen Meisterschaften auf der sächsischen Weltmeisterschafts-Bahn in Altenberg mit einem souveränen Erfolg im Zweier seinen Jägern die Grenzen. Mit dem anschließend angekündigten Rückzug aus dem laufenden Weltcup-Wettbewerb zerstörte der Weltcup-Spitzenreiter im Vierer bei seinen Teamkollegen die Hoffnungen auf ein drittes Ticket beim Saisonhöhpunkt in vier Wochen.

"Nach der Europameisterschaft setze ich aus. Ich habe reelle Chancen, wie 1996 im Zweier und Vierer Weltmeister zu werden, aber da muss ich mich athletisch und fahrerisch speziell vorbereiten", erklärte Langen nach dem neunten Gewinn eines deutschen Meistertitels in seiner Laufbahn. Und Solidarität mit den Teamkollegen? "Ich bin solidarisch mit mir, die letzten Jahre habe ich immer für den dritten Startplatz gesorgt, und der dritte Starter hat immer versagt. Vom Verband ist nie etwas gekommen."

Bundestrainer Raimund Bethge akzeptiert schweren Herzens die Entscheidung seines Vorzeigeathleten und WM-Topfavoriten, der im Vorjahr nach einer kräfteraubenden Weltcup-Saison das ersehnte Gold verpasst hatte. "Ich kann ihn verstehen und unterstütze ihn. Wenn er sich so entscheidet, muss ich das akzeptieren", sagte der 52-Jährige: "Es ist wichtig, dass er bei der Weltmeisterschaft in Topform ist, ein Weltcup-Sieg nützt uns nicht, wenn wir bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land dann mit leeren Händen dastehen."

Im kleinen Schlitten können sich Andre Lange (Oberhof/0,64 Sekunden zurück) und Rene Spies (Winterberg/1,17) nach den Rängen zwei und drei hinter Langen (3:44,91 Minuten) Hoffnungen auf den zweiten Startplatz bei der Weltmeisterschaft machen. Im Vierer dagegen löst die Entscheidung des Vizeweltmeisters ein riesiges Gerangel aus: Harald Czudaj (Riesa), Olympiasieger von Lillehammer, muss in den DM-Läufen am Sonnabend und Sonntag gegen Lange, Spies sowie den im kleinen Schlitten mit Rang fünf "ausgeschiedenen" Lokalmatador Matthias Benesch (Altenberg) sein Startrecht sichern.

Der klar überlegene Langen nutzte die Fahrten auf der Kunsteisrinne im Kohlgrund zu vielfältigen Materialtests. Der gebürtige Kölner setzte dabei erstmals auch einen neuen Schlitten ein, den er nach den Niederlagen im Weltcup über Weihnachten einsatzbereit gemacht hatte. "Ich dachte, es wird ein härterer Kampf um den Titel, ich bin schon überrascht, dass ich so deutlich vorn war. Es ist immerhin von der Wertigkeit her der drittwichtigste Wettbewerb des Jahres und mein erster Sieg seit 1996", meinte Langen, "wir haben viel gebastelt, die Zeit hat unheimlich gedrängt. Jetzt haben wir einen Schlitten, der mit Sicherheit nicht langsam ist."

Nach den europäischen Titelkämpfen in Cortina am 14./15. Januar wird Langen bei den Weltcup-Wettbewerben in La Plagne (22./23. Januar) und St. Moritz (29./30. Januar) fehlen und sich stattdessen auf die WM in Altenberg vom 2. bis 13. Februar vorbereiten. Beste Aussichten auf den Weltcup-Sieg hat damit der Schweizer Marcel Rohner.

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