Sport : Der deutsche Guru

Michael Rosentritt

Der bedeutendste Titel für den deutschen Fußballnachwuchs trägt ein Gesicht. Es ist das Gesicht des 58 Jahre alten Horst Hrubesch, der den meisten 21-Jährigen in diesem Land vielleicht als Hobby-Angler noch was sagt – wenn überhaupt. Die große Zeit des Fußballers Horst Hrubesch ist ein gutes Vierteljahrhundert her. Dass ausgerechnet er für den neuen deutschen Fußball steht – wer hätte es gedacht?

Um Hrubesch als den erfolgreichsten Nachwuchstrainer zu begreifen, sei an eine Episode aus dem Jahr 1976 erinnert. Damals gab es noch B-Länderspiele. Hrubesch spielte noch in Essen, wo auch das Spiel gegen Italien stattfand. Ohne Hrubesch. Der sagte damals: „Wenn, dann sollen die mich holen, weil die von mir überzeugt sind, und nicht, damit ich denen das Stadion vollmache.“ Mit anderen Worten: Für Hrubesch gab und gibt es nur sportliche Kriterien – die reine Lehre sozusagen. Entweder man hat was drauf, oder eben nicht. Diese Überzeugung lebt er heute den Nachrückenden konsequent vor. Mit Erfolg. Vor einem Jahr führte er die U 19 zum EM-Titel, jetzt die U 21.

Als Profitrainer war er nicht erfolgreich. Als Assistent von Erich Ribbeck war er beim Confed-Cup 1999 noch als Gute-Laune-Bär betitelt worden. Noch heute kann es passieren, dass man ihn unterschätzt. Seine Sprache ist einfach, aber damit anders als die der Ich-erkläre-euch- mal-den-modernen-Fußball-Trainer.

Hrubesch besitzt eine natürliche Autorität. Diese stammt noch aus einer Zeit, als Hrubesch das Kopfball-Ungeheuer und der deutsche Fußball noch wer war. Inzwischen kann er sich auch wieder sehen lassen. Hrubesch hat seinen Jungs dieses Gefühl auch vermittelt und sie befähigt, das auf dem Platz zu zeigen. Seine jungen Spieler finden das ziemlich cool. Hrubesch ist ihr Guru.

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