Der deutsche WM-Kader : Joachim Löw: Hart nur zu den Kleinen

Der Bundestrainer muss heute seinen endgültigen WM-Kader benennen und drei Spieler aussortieren. Vermutlich wird es dabei wieder keine großen Namen erwischen - auch wenn Löw das mal anders angekündigt hat.

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Ich bleib eh dabei, aber warum lachst du? Bastian Schweinsteiger (links) darf wohl trotz fraglicher Fitness mit zur WM fahren, Julian Draxler muss dagegen bangen.
Ich bleib eh dabei, aber warum lachst du? Bastian Schweinsteiger (links) darf wohl trotz fraglicher Fitness mit zur WM fahren,...Foto: dpa

Natürlich war es Zufall. Nichts als Zufall, dass Marko Marin, Patrick Helmes und Jermaine Jones für das letzte Testspiel vor der endgültigen Kaderbekanntgabe die Trikots mit den Nummern 24, 25 und 26 erhalten hatten. Bei Nummer 23 endet das Aufgebot für die Turniere der Welt- und Europameisterschaften. Und wen erwischte es, als Bundestrainer Joachim Löw seinen vorläufigen Kader noch um drei Spieler reduzieren musste? Richtig! Die beiden Zweitligaspieler Marin und Helmes und den damals noch jungen Jones.

Nach dem Testspiel gegen Kamerun muss der Bundestrainer sein Aufgebot wieder um drei Spieler auf 23 reduzieren. Bis Montag, 24 Uhr, hat Löw theoretisch noch Zeit. Seine Entscheidung wird er aber wohl schon in der Nacht zu Montag treffen, „wenn wir die finalen Erkenntnisse haben“, wie er sagt.

In der Vergangenheit ist er bei den Nominierungen eher den Weg des geringsten Widerstandes gegangen.

Anders als sein Vorgänger Jürgen Klinsmann. Der hat sich auch an die großen Namen herangetraut – was seinem Ruf ganz sicher nicht geschadet hat. Dass Klinsmann vor der WM 2006 zum allgemeinen Erstaunen den etablierten Stürmer Kevin Kuranyi aussortiert hat, wurde auch als Beleg für seine Führungsstärke gedeutet.

Der aktuelle Bundestrainer ist nicht immer so konsequent gewesen, er scheint auch historische Verdienste in seine Entscheidung einzubeziehen. Bastian Schweinsteiger zum Beispiel dürfte in dieser Nacht ruhig geschlafen haben, obwohl er nach Löws eigenen Kriterien erster Streichkandidat wäre. Der Bundestrainer hat Ende vergangenen Jahres großspurig angekündigt, er werde nur hundert Prozent fitte Spieler nach Brasilien mitnehmen, zum Turnier der Strapazen. Von dieser Ankündigung scheint Löw jetzt nicht mehr allzu viel wissen zu wollen. Hundertprozentig fit ist Schweinsteiger ganz sicher nicht. Genauso wenig Philipp Lahm, Manuel Neuer oder Marcel Schmelzer.

Statt an großen Namen arbeitet sich Löw lieber an den No-Names ab. Es ist keine Überraschung, dass die Diskussionen immer wieder um dieselben Namen kreisten. Wer Löw kennt, weiß, dass es für Spieler wie Shkodran Mustafi, 22, Matthias Ginter, 20, Erik Durm, 22, und Kevin Volland, 21, schwer werden dürfte, auch die letzte Hürde im Nominierungsverfahren zu nehmen. Auch Draxler, mit 20 Jahren immer noch einer der Jüngsten im Kader, ist wieder ein Streichkandidat.

Von den etablierten Kräften sind allenfalls Benedikt Höwedes und Schmelzer gefährdet, falls Löw zu der Erkenntnis gelangt sein sollte, dass sie nach Verletzungen körperlich doch noch nicht auf der Höhe sind für die WM. Das ist aber eher unwahrscheinlich.

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