Sport : Der DFB umarmt sich selbst Zwanziger wird bestätigt, aber Streitpunkte warten

Robert Ide[Mainz]

Der Präsident umarmt den Ehrenpräsidenten, der Präsident herzt den Ligachef, der Präsident tritt ans Mikrofon und dankt seiner Frau. Willkommen beim 39. Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes! Den Herzlichkeiten nach zu urteilen, die am Freitag in Mainz ausgetauscht wurden, geht es dem DFB besser denn je. Seinem Präsidenten auch. Theo Zwanziger wurde für drei weitere Jahre in seinem Amt bestätigt – ohne Gegenkandidat, ohne Gegenstimme. „Das ist das schönste Amt, das in Deutschland zu vergeben ist“, sagte der 62-Jährige. Derzeit stimmt das wohl.

Die Männer-Nationalmannschaft hat eine berauschende WM im eigenen Land gespielt, sich souverän für die EM im kommenden Jahr qualifiziert und Bundestrainer Joachim Löw bis 2010 an sich gebunden, das Frauen-Team hat den WM-Titel ohne Gegentor verteidigt – und am Dienstag dürfte, wie in Fifa-Kreisen zu hören ist, die Frauen-WM 2011 nach Deutschland vergeben werden. Dennoch kommt auf Zwanziger, der vor drei Jahren Gerhard Mayer-Vorfelder in eine Doppelspitze zwang und sich nach der WM 2006 mit sozialpolitischen Projekten allein profilierte, eine Menge Detailarbeit zu. Künftige Streitpunkte schienen schon gestern hinter dem Vorhang der Harmonie auf. „Der Fußball ist nur in seiner Gänze stark“, mahnte Zwanziger. „Wenn er auseinanderfällt, hat kein Einzelteil etwas davon.“ Wem diese Worte galten, wusste jeder im Saal: der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Deren Profiklubs fordern einen neuen Grundlagenvertrag mit dem DFB und verlangen mehr Geld aus den Einnahmen der Nationalmannschaft.

Zudem drängt die DFL nach ihrem Fernsehdeal mit dem einstigen Medienpleitier Leo Kirch auf Reformen des Spielplans. Veränderte Anstoßzeiten in der Bundesliga könnten aber mit den Sonntagsspielen der Amateurklassen kollidieren und die frei empfangbare „Sportschau“ kaputtmachen. „Bei aller Vermarktung sollten wir darauf achten, dass auch Kinder die Bundesliga sehen können“, forderte der scheidende Generalsekretär und neue Schatzmeister Horst R. Schmidt.

Harte Verhandlungen zwischen DFB und DFL stehen jetzt an. In Mainz wurde der Streit noch in Kompromissanträgen versteckt. „Ich weiß, dass es für einen großen Klub leichter ist, 500 000 Euro einzuwerben, als für einen kleinen Verein 5000 Euro“, sagte Liga-Präsident Reinhard Rauball versöhnlich. Öffentlich gab es nur einen Dissens. Der Chef des Schiedsrichter-Ausschusses Volker Roth, dem eine halsstarrige Amtsführung vorgeworfen wird, wurde von nahezu allen Bundesliga-Klubs mit Stimmenthaltungen abgestraft.

Theo Zwanziger müssen solche Kleinigkeiten nicht stören. Sämtliche seiner Vizepräsidenten wurden einstimmig bestimmt, ebenso der neue Generalsekretär Wolfgang Niersbach. Nach dem personellen Umbruch sind nun einige interne Abstimmungen nötig, vor allem im Umfeld der Nationalmannschaft. Außerdem soll der Frauenfußball ausgebaut werden. Zuständig dafür ist Hannelore Ratzeburg, die erste Vizepräsidentin der DFB-Geschichte. „Die Zukunft ist weiblich“, verkündete die 56-Jährige. Beim Verbandstag in Mainz war davon noch nicht viel zu spüren. Dort umarmten sich zum Abschied vor allem Männer.

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