Sport : Der die Hoffnung trägt

Kevin-Prince Boateng beendet mit einem Tor die Hertha-Krise – und steht für die Zukunft des Vereins

Mathias Klappenbach

Berlin - In diesem Moment war klar, dass alles wieder eine andere Richtung nehmen könnte. Als Kevin-Prince Boateng den Ball zur 1:0-Führung für Hertha BSC in Bremen eingeköpft hatte, glaubten Boateng und seine Mannschaftskameraden endgültig daran, dass sie in diesem Spiel ihre Serie von 13 Pflichtspielen ohne Sieg beenden würden. „Alle haben auf das 1:0 gewartet, das war nach den vielen vergebenen Chancen zuvor eine Befreiung“, sagt Boateng.

Schon vor einer Woche, beim 2:4 gegen Köln, hätte Boateng beinahe das Ende der Negativserie eingeleitet. Er traf mit zwei Weitschüssen aber jeweils nur den Pfosten, und so dauerte es noch eine Woche länger. „In solchen Phasen, wie wir sie in den letzten Wochen hatten, wird natürlich vor allem auf erfahrene Spieler gesetzt. Von mir werden keine Überdinge erwartet, deshalb verspüre ich da keinen Druck“, sagt Boateng.

In der vergangenen Woche ist er 19 Jahre alt geworden, und er hat sich während einer sehr schwierigen Zeit in die Mannschaft gespielt. Seit dem 14. Spieltag gehört der Mittelfeldspieler zur ersten Elf, wenig später begann Herthas sieglose Phase. „Ich bin trotzdem froh, dabei zu sein“, sagt Boateng. Seit zwölf Jahren spielt er im Verein, sein Vertrag läuft bis 2009. Unter den jungen Spielern aus der Fußball-Akademie ist er der talentierteste. Die Verantwortlichen halten viel von ihm, schon auf der Mitgliederversammlung Ende 2004 kündigte Manager Dieter Hoeneß im ICC vor 800 erwartungsvollen Zuhörern den damals 17-jährigen Boateng als große Zukunftshoffnung an. „Ich weiß, dass es große Erwartungen an mich gibt. Im Moment spiele ich ganz okay“, sagt Boateng.

Beim Spiel in Bremen überzeugte mit Sofian Chahed auch ein anderer junger Spieler. Der 22 Jahre alte Chahed hat sich in den vergangenen Spielen einen Platz im Team erkämpft, weil er die Chance genutzt hat, die er aufgrund der vielen verletzten und gesperrten Spieler bekam. Diesen Platz in der Mannschaft hat Chahed schon einmal gehabt, in der Endphase der Saison 2003/04, als Hertha beinahe abgestiegen wäre. „Ich habe danach nicht alles dafür getan, diesen Platz zu behalten“, sagt Chahed. „Aber ich habe eine schwierige Lektion gelernt.“ Die Lektion hat lange gedauert, in der vergangenen Saison kam Chahed nur in der Regionalliga zum Einsatz.

Chaheds Geschichte ist exemplarisch für die Probleme einiger Jungprofis bei Hertha mit der notwendigen Einstellung zum Beruf des Fußballprofis. Boatengs Geschichte könnte eine werden, in der ein junger Spieler auf Anhieb dauerhaft den Sprung in die Bundesliga schafft. „Ich habe viele Vorgänger, die gezeigt haben, wie es nicht geht. Wenn ich trotzdem einmal in ein Loch fallen sollte, gibt es ja noch die älteren Spieler, die mir helfen könnten“, sagt Boateng.

Eine Szene aus dem Bundesligaspiel gegen Bayern München im Februar: Boateng hat schon die Gelbe Karte gesehen, nach einem weiteren Foul versucht Michael Ballack, ihn zu provozieren. Noch ein paar Monate zuvor wäre Boateng wohl darauf angesprungen und hätte Gelb-Rot riskiert. Doch Boateng drehte sich ab und ging der Situation aus dem Weg. „Ich habe mich zusammengerissen und nur noch einen Spruch gelassen. Das habe ich jetzt unter Kontrolle“, sagt Boateng. Noch einige Monate zuvor hätte er sich wohl nicht so abgeklärt verhalten. In der vergangenen Saison flog er in 18 Regionalliga-Spielen zweimal vom Platz, auch danach hatte er noch Probleme, sein Temperament zu zügeln.

Jetzt denkt er über den Moment hinaus. Das Angebot Ghanas, im Sommer bei der Weltmeisterschaft mitzuspielen, hat Boateng, der einen ghanaischen Vater hat, abgelehnt. „Das war kurzfristig natürlich verlockend. Aber Ghana ist wohl nur einmal bei einer WM dabei. In Deutschland sind die Möglichkeiten viel größer.“ Boateng hätte in dieser Woche für die deutsche U-19-Nationalmannschaft spielen sollen, das Spiel gegen Tschechien in Aue ist aber abgesagt worden. So kann Boateng mit der Hertha-Mannschaft trainieren, obwohl er wohl schon nicht mehr zu den Spielern gehört, die sich laut Trainer Falko Götz im Training „für einen Platz im Team empfehlen müssen“.

Kapitän Arne Friedrich ist nach dem Sieg in Bremen und dem Ende der Serie „optimistisch, dass wir oben noch einmal angreifen können“, und Trainer Götz sagt: „Wir haben noch viel vor in dieser Saison.“ Kevin-Prince Boateng sicher auch.

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