Sport : Der Dieter Bohlen des Fußballs

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Oliver Trust über

Mario Basler

Der Sport und die Gesellschaft erziehen ihre Kinder. Mario Basler ist Sportler, Fußballspieler, er darf wählen, hat eine Steuernummer. Er ist einer von uns. Und ist er nicht so normal wie wir alle? Der Dieter Bohlen des Fußballs kämpft zum eigenen Vorteil, er will einen neuen Vertrag in Kaiserslautern, und wir lieben ihn, weil er die Langeweile vertreibt. Wer hat nicht gelacht und gesagt, endlich erfahren wir mal, was die wirklich denken, die Fußballer, als Basler dem Schiedsrichter Kemmling im Fernsehen Prügel in Aussicht stellte. Auf die Fresse hauen und so. Endlich einer, der den Mund aufmacht. Die Einschaltquoten steigen. Solche Sprüche verkaufen sich bestens. Mario, komm in unsere Sendung. Das ZDF war begeistert von seinem Auftritt im Sportstudio.

Auch, wenn es darum geht, seinen Klub zu retten, geht Mario Basler vorne weg. 1,5 Millionen Euro von den Spielern in der Pfalz. Eine Spendenaktion, die keine ist, weil es dabei nicht um Gehälter, sondern um mögliche künftige Punktprämien geht, auf die die Spieler im Voraus verzichten. Hübsch verpackt das Ganze, und alle glauben es, weil einer wie Mario spricht. Was der sagt, das ist authentisch. So ist Mario. Schon immer gewesen. Ein Mann mit Gespür für die Situation. Wie unsympathisch dagegen Oliver Kahn, der humorlose Greifer aus Bayern. Kein Vorbild, der Mann. Und meist sagt er nichts.

Basler ist anders. Er hat zu allem etwas zu sagen. Spaßig, seicht, infantil. Es kommt an, wenn einer hilft, gegen die ungeliebten Schiedsrichter, gegen die drohende Pleite seines mit 17,8 Millionen Euro verschuldeten Klubs. Basler spürt die Strömungen. Er fühlt die Freiheit, die das Leben bietet. Unerschrocken ran gehen an die Dinge. Wie Dieter Bohlen, der uns in diesen Tagen sein Liebesleben im Buch, in „Bild“ und im Fernsehen verkauft. Bohlen und Basler machen es uns vor. Wären wir nicht selbst gern so smart und so geschäftstüchtig? Federleicht, ohne Hintergedanken und Gewissensbisse?

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