Sport : Der Discounter wird zur Marke

Hannovers Erfolg ist auch das Werk von Manager Jörg Schmadtke, der gerne günstige Spieler entdeckt

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Sichtet er schon wieder? Jörg Schmadkte, Geschäftsführer von Hannover 96, findet Spieler an den entlegensten Orten. Sein Beuteschema: Spieler, die viel leisten, aber wenig kosten. Foto: dpa
Sichtet er schon wieder? Jörg Schmadkte, Geschäftsführer von Hannover 96, findet Spieler an den entlegensten Orten. Sein...Foto: dpa

Das übliche Frage-und-Antwort-Spiel bleibt ein Graus für ihn. „Ich habe keine Lust, tiefe Einblicke zu geben“, sagt Jörg Schmadtke, der als Sportdirektor von Hannover 96 auf die üblichen Anforderungen seiner Branche pfeift. Nach dem souveränen 2:0-Heimsieg gegen die TSG Hoffenheim, dem bereits 16. Sieg der Niedersachsen in dieser Saison, hätte der 47-Jährige allen Grund zu Jubel und Selbstbeweihräuchung gehabt. Aber es kam anders – wie so oft bei Schmadtke. Frage: „Was ändert sich, wenn es Hannover 96 tatsächlich bis in einen europäischen Wettbewerb schafft?“ Antwort Schmadtke: „Wir werden ein bisschen mehr reisen.“

Dieser Mann, dem das stete Abdriften der Fußball-Bundesliga ins Showgeschäft zuwider ist, genießt lieber still und heimlich. In einer Saison, in der Hannover 96 alle Experten verblüfft, kann man sich solche Extravaganzen leisten. Jene Mannschaft, die der Sportdirektor Schmadtke als Sparkommissar ohne das Überweisen von hohen Ablösesummen zusammenstellen musste, will sich selbst vom FC Bayern München in der Tabelle nicht mehr einholen lassen. Der Großteil des öffentlichen Ruhms für diesen ungeahnten Höhenflug kommt Trainer Mirko Slomka zugute, weil er in Hannover der Mann vor den Kameras und für die freundlichen Interviews ist.

Schmadtke gibt unumwunden zu, dass er in der öffentlichen Wahrnehmung schroff, schrullig und grummelig daherkommt. „Es gibt ein paar Mechanismen, denen ich mich zu entziehen versuche“, sagt der frühere Profitorhüter, dem ein richtig gutes Händchen für das Sichten und Verpflichten von Spielern bescheinigt werden muss. „Ich frage ihn auch gar nicht, wie er das macht. Es klappt einfach“, sagt Hannovers Präsident Martin Kind, der Schmadtke gerade zum Geschäftsführer seines Vereins mit unbefristetem Vertrag befördert hat und ihn damit noch vor Slomka als wichtigsten, leitenden Angestellten betrachtet.

Der Heimsieg gegen Hoffenheim war ein Erfolg für den Trainer. Dass danach verkündet werden konnte, man habe mit den umworbenen Verteidigern Christian Schulz und Karim Haggui, Ersatztorhüter Markus Miller und Reservist Sofian Chahed die Verträge vorzeitig verlängert, war Schmadtkes Triumph. Den Kontrakt mit Haggui ließ der starke Mann vom Schreibtisch angeblich sogar noch in der Umkleidekabine unterschreiben. „Das sind wichtige Zeichen nach außen. Wir wollen hier eine Nachhaltigkeit und Stabilität hinbekommen“, meint Schmadtke, der Gefallen daran findet, Hannover 96 im Auftrag von Kind zu einer anerkannten Marke der Bundesliga zu machen. Sein bisher wichtigster Beitrag dazu war: Mit den Torjägern Didier Ya Konan und Mohammed Abdellaoue, die natürlich die Tore gegen Hoffenheim erzielten, spielen zwei Ausnahmekönner bei 96, die er in den Niederungen des norwegischen Fußballs entdeckt hat.

Zumindest an Tagen, an denen Schmadtke richtig gut gelaunt ist, entlockt man ihm angesichts seiner klugen Transfers ein Stück Genugtuung. „Wer viel Geld ausgibt, hat nun einmal keine Garantie für Erfolg und Tore“, sagt der langjährige Düsseldorfer und fügt hinzu: „Für die Personalie Ya Konan bin ich anfangs sehr belächelt worden. Keiner kannte ihn, aber viele hatten sofort ein Urteil über ihn abgegeben.“ Heute schießt der Ivorer, für rund 500 000 Euro von Rosenberg BK verpflichtet, ein Tor nach dem anderen. Spieler wie Ya Konan, die wenig kosten, aber viel leisten, entsprechen Schmadtkes Beuteschema.

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