• Der Doping-Verdacht gegen den Langstreckenläufer spaltet inzwischen auch die Mediziner

Sport : Der Doping-Verdacht gegen den Langstreckenläufer spaltet inzwischen auch die Mediziner

Nandrolon könnte durch so genannte Nahrungsersatzstoffe, wie sie besonders auf dem US-Markt erhältlich sind, "eingeschleppt" werden

Drei Tage nach dem Bekanntwerden des dringenden Doping-Verdachts gibt es für Dieter Baumann wenig Hoffnung, dass ihm die Wissenschaft aus der fatalen Situation befreien kann. Klaus Müller und Wilhelm Schänzer als Leiter der Kontrolllabors in Kreischa und Köln bestätigten die Korrektheit der von ihren Instituten festgestellten Nandrolon-Werte und erklärten, diese könnten nur durch eine Zufuhr von Außen erklärt werden. Der schwedische Vorsitzende der Antidoping-Kommission des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF), Arne Ljungqvist, sprach in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" von einem "klaren Fall" von Nandrolon-Doping, "ob bewusst oder unbewusst". Der Schwede bezeichnete Berichte über neue medizinische Erkenntnisse als "einfach Quatsch".

Übereinstimmend sieht die Wissenschaft die Gefahr, dass Nandrolon durch so genannte Nahrungsersatzstoffe, wie sie besonders auf dem US-Markt erhältlich sind, "eingeschleppt" werden könnten. "Die sind halblegal oder legal, aber möglicherweise ungenügend deklariert oder überprüft. Ihre Einnahme stellt ein Risiko dar, das jeder trägt, der sich mit bestimmten Mitteln helfen will", sagte der Toxikologe Müller. Doch auch dort treffe die Doping-Definition: Es zähle allein die Anwesenheit einer verbotenen Substanz im Körper. Sein Kölner Kollege, der Biomechaniker Schänzer, bestätigte Müller in der "FAZ": "Alle Daten, die wir haben, zeigen, dass Werte über zwei Nannogramm bei Männern nur durch eine exogene Zufuhr, also von Außen, möglich sind."

Müller kritisierte den Heidelberger Molekular-Biologen Werner Franke, der Nachuntersuchungen und wissenschaftliche Studien fordert: "Werner Franke hat hierzu überhaupt nichts zu sagen. Er macht sich um die Aufarbeitung der Doping-Vergangenheit sehr verdient, aber er hat nichts mit den heutigen Doping-Kontrollen zu tun, war nie in eine Analyse involviert. Er ist nicht Doping-Experte, sondern Experte für die DDR-Dopinggeschichte und sollte sich zu aktuellen Fällen nicht äußern", sagte der Leiter des Kreischaer Labors.

Auch Ljungqvist meinte, Baumann könne sich eine Langzeitstudie sparen. Die stark erhöhten Testwerte seien mit großer Sicherheit nicht das Ergebnis irgend einer Erkrankung, wie Franke es als möglich erachtet hatte. Ljungqvist ist Pathologe und Zellforscher.

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