Sport : Der doppelte Lukasz

Piszczek ist wegen Manipulation in Polens Nationalteam gesperrt, in Dortmund nicht – nun wehrt er sich

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Einsitzen musste Lukasz Piszczek nicht. Aber eine Bewährungsstrafe erhielt der frühere Hertha- und jetzige Dortmund-Profi. Foto dapd
Einsitzen musste Lukasz Piszczek nicht. Aber eine Bewährungsstrafe erhielt der frühere Hertha- und jetzige Dortmund-Profi....Foto: dapd

Wie sehr die Rot-Weißen schwarz-gelb geprägt sind, war am Dienstag eindrucksvoll zu sehen. Im Länderspiel der polnischen Fußball-Nationalmannschaft gegen Deutschland (2:2) schossen Robert Lewandowski und Jakub Blaszczykowski von Borussia Dortmund beide Tore für die Gastgeber. Ein weiterer Dortmunder Pole aber musste beim Freundschaftsspiel zuschauen: Lukasz Piszczek ist mit einer Sperre für die Nationalmannschaft von sechs Monaten belegt worden.

Der Außenverteidiger hatte sich im vergangenen Jahr selbst angezeigt, weil sein damaliger Klubs Zaglebie Lubin am letzten Spieltag der Saison 2005/2006 den Sieg gegen Cracovia Krakau kaufte, um sich die Teilnahme am Uefa-Pokal zu sichern. Fünf Jahre später wurde der ehemalige Profi von Hertha BSC dafür nicht nur vom polnischen Verband PZPN bis zum Februar 2012 von der Nationalmannschaft suspendiert, im Juni verurteilte das Bezirksgericht Breslau den 26-Jährigen auch noch zu zwölf Monaten Haft auf Bewährung und 25 000 Euro Geldstrafe. Neben Piszczek wurden noch vier weitere Profis zur Verantwortung gezogen.

Für seinen Klub darf Piszczek spielen, darüber sind sie in Dortmund heilfroh, denn er gehörte im Meisterjahr zu den herausragenden Individualisten im Kollektiv der Borussia. In dieser Saison hat er alle vier Saisonspiele durchgespielt, auch beim Gastspiel von Hertha BSC am Samstag wird Piszczek wieder von Beginn an auflaufen. Das muss nicht so bleiben. Im polnischen Fußball gibt es eine Fraktion, die fordert, ihn härter zu bestrafen. So würde es die Torwart-Legende Jan Tomaszewski begrüßen, die Sperre auf zwei Jahre auszudehnen. Der Jurist Artur Jedrych, Vorsitzender des Disziplinarausschusses des polnischen Fußballverbandes, will Piszczek auch für Vereinsspiele sperren. Dabei beruft er sich auf den Artikel 136 in den Fifa-Statuten, nach dem nationale Urteile auch international umgesetzt werden müssen. Jedrych sagte zu „Spiegel Online: „Die Fifa sollte unserem Urteil folgen und Piszczek ein halbes Jahr für alle Wettbewerbe sperren.“

Dem Funktionär geht es darum, vor der im kommenden Jahr beginnenden Europameisterschaft im eigenen Land ein Zeichen zu setzen. „Wir müssen dem polnischen Fußball mal wieder ein wenig mehr Ethos zuführen“, sagt Jedrych. „Die Korruption ist im polnischen Fußball sehr tief verwurzelt, wir müssen klar machen, dass wir so etwas nicht dulden.“

Genau das ist der Punkt, wo die Fraktion der Piszczek-Verteidiger einhakt. Am Dortmunder, so wird moniert, solle ein Exempel statuiert werden. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke betont, sein Klub werde dem Spieler „jede Unterstützung geben, die er braucht“. Weiter will sich Watzke nicht äußern, „weil es sich um ein schwebendes Verfahren handelt“. Piszczeks Adjutanten geben zu bedenken, dieser habe beim gekauften Spiel gar nicht im Kader gestanden, weil er mit der polnischen U 21 unterwegs war. „Lukasz war weit hinten in der Hierarchie“, sagt Trainer Jürgen Klopp, was an Schiebung gelaufen sei, „haben andere entschieden.“ Polens Nationalcoach Franciszek Smuda spricht von einer „Jugendsünde“, auch Blaszczykowski macht sich vehement für den Kollegen stark. Dem polnischen Kapitän ist es rätselhaft, „warum diese harte Strafe gefordert wird. Dass gerade Lukasz ein Symbol für Korruption sein soll, ist für mich peinlich“.

Von vielen Seiten wurde dem Profi geraten, sich zu wehren. Das tut er nun. Einen Tag nach dem Champions-League-Heimspiel gegen den FC Arsenal fliegt Piszczek nach Warschau, um sich dort vor der Disziplinarkommission der PZPN in einer Berufungsverhandlung zu stellen. In Polen gehen viele Beobachter davon aus, dass die Strafe dann zur Bewährung ausgesetzt wird. Schließlich hat der Fußballer mit dem Verbandspräsidenten Grzegorz Lato einen mächtigen Verbündeten. Der Torschützenkönig der WM 1974 sagte unlängst: „Ich hoffe,dass Piszczek schon bald wieder für unsere Nationalmannschaft spielen kann.“

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