Sport : Der doppelte Trainer

Dirk Bauermann ist Basketball-Coach in Bamberg – nun soll er noch die Nationalmannschaft zur EM führen

Christiane Mitatselis

Köln. Es gibt Dinge, an die gewöhnt man sich nur schwer. Ein Beispiel: Wenn Basketball-Trainer Dirk Bauermann seinen Klub GHP Bamberg im Europapokal coacht, trägt er eine blaue Krawatte zum blauen Hemd – und nicht, wie es seit mehr als zehn Jahren seine Angewohnheit ist, ein schwarzes T-Shirt zum schwarzen Anzug. Die Kleiderordnung des Weltverbandes Fiba schreibt dies vor, Fehlverhalten wird mit einer Geldbuße belegt.

Bauermann wird künftig häufiger mit Krawatte auftreten müssen. Der 45-Jährige ist neuer Trainer der Basketball-Nationalmannschaft. Er tritt die Nachfolge des Finnen Henrik Dettmann an, der nach der Europameisterschaft im September gehen musste, weil Deutschland in der Vorrunde scheiterte und die Olympia-Qualifikation verpasste. „Mit Bauermann streben wir zunächst die Europameisterschaft 2005 an“, sagt Wolfgang Hilgert, Vizepräsident des Deutschen Basketball-Bundes (DBB). Der Trainer unterschrieb einen Vertrag bis 2007. Der verlängert sich automatisch, falls das deutsche Team die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2008 in Peking schaffen sollte. In den kommenden beiden Jahren wird der Coach doppelt arbeiten – als Klub- und Bundestrainer. „Die Entscheidung, ja zu sagen, fiel mir nicht schwer“, berichtet Bauermann. „Für einen deutschen Trainer ist es eine sehr große Ehre, dieses Amt zu übernehmen.“

Bauermann hat keine Angst vor der Aufgabe, auch nicht vor der Doppelbelastung. „Für mich ändert sich nicht viel. Die ersten Maßnahmen der Nationalmannschaft finden August 2004 in der Bundesliga-Pause statt.“ Als Vorbild dient Bauermann die Eishockey-Nationalmannschaft. Hans Zach trainiert die Kölner Haie und gleichzeitig die deutsche Auswahl. An der Mannschaft will Bauermann zunächst nicht viel ändern. „Es kommt nun darauf an, zu schauen, wo die jungen Leute sind, die für Olympia 2008 in Frage kommen.“ Von seinen Spielern erwartet Bauermann „absoluten Einsatz und die Bereitschaft, persönliche Opfer zu bringen“. Zu NBA-Star Dirk Nowitzki will er schnell Kontakt aufnehmen. „Man weiß natürlich noch nicht, ob sein Klub Dallas Mavericks ihn freistellen wird.“ Die EM-Qualifikation beginnt im September 2004.

Für Bauermann, Deutschlands „Basketball-Trainer des Jahres“, ist es das zweite Engagement beim DBB. 1994 betreute er die Nationalmannschaft als Interimscoach während der Weltmeisterschaft in Kanada – das Team wurde nur Zwölfter. Damals war Bauermann gleichzeitig Trainer von Bayer Leverkusen. Den Verein führte er von 1990 bis 1996 siebenmal in Serie zur Meisterschaft. Viele Kritiker sagten damals, es sei nicht schwer, mit solch einem starken Team erfolgreich zu sein. Bayer war damals mit Abstand der reichste Klub der Liga. Die Häme wurde größer, als Bauermann Leverkusen 1998 verließ und danach die schwersten Jahre seiner Karriere erlebte. Zunächst ging er nach Belgien, wurde in Griechenland nach nur sieben Monaten entlassen, scheiterte mit einem Neuaufbau in Hagen, und ein erneutes Gastspiel in Griechenland endete nach nur vier Spielen. „Ich habe daraus gelernt und bin stärker geworden“, sagt Bauermann heute. In der Spielzeit 2001/2002 suchte Bamberg während der Saison einen neuen Trainer und holte Bauermann. Und plötzlich hatte er wieder Erfolg: Im ersten Jahr schaffte es der Coach mit einem Außenseiterteam und einem kleinen Etat bis ins Play-off-Viertelfinale. In der vergangenen Saison scheiterte Bamberg erst im Endspiel an Alba Berlin.

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