Sport : Der Draufgänger in Wimbledon Andy Roddick träumt vom Finale gegen Federer

Benedikt Voigt[London]

Andy Roddick hat einen Tick. Vor jedem Ballwechsel schiebt der 22-jährige Tennisprofi seine Baseballkappe auf dem Kopf hoch und runter, .Manchmal schiebt er seine Mütze hoch und runter, bis er glaubt, sie sitze richtig. Es ist, als wäre die weiße Baseballkappe durch einen Wackelkontakt mit seinem Kopf verbunden. Erst wenn der Kontakt hergestellt ist, steht er unter Strom. Mit eindrucksvollem Powertennis hat sich der US-Amerikaner zum dritten Mal in Folge ins Halbfinale von Wimbledon gekämpft. Dort ist die Nummer zwei des Turniers heute gegen den Überraschungs-Halbfinalisten Thomas Johansson aus Schweden klar favorisiert.

Vielleicht denkt Andy Roddick deswegen schon ans Finale am Sonntag: „Ab und zu träumt man davon.“ Dann hätte er vielleicht die Chance, sich gegen Roger Federer für die letztjährige Finalniederlage zu revanchieren. Zuvor muss sich der Schweizer heute in seinem Halbfinale aber gegen den Australier Lleyton Hewitt durchsetzen. „Es gibt nur zwei Spieler, die ich hier mehr als alle anderen fürchte, das sind Roger und Lleyton“, erklärt Roddick. „Und Roger ist so lange der Champion, bis ihn jemand stürzt.“ Dieser jemand möchte er selbst sein.

Seit Roddick 2003 die US Open gewonnen hat, wartet er auf einen großen Erfolg. in diesem Jahr erreichte er bei den Australian Open das Halbfinale. „Ich habe ein großes Resultat gebraucht“, sagte er nach seinem Viertelfinalsieg am Mittwoch. Erst auf dem Rasen dort erschrecken seine wuchtigen Aufschläge die Gegner so richtig. Mit 232 Stundenkilometern hat er in diesem Jahr den zweitschnellsten Aufschlag des Turniers geboten.Ein Resultat wie das 3:6, 6:2, 6:1, 3:6, 6:3 über den Franzosen Sebastian Grosjean. Es war bereits sein zweites Fünfsatzmatch im Turnierverlauf; dass er beide gewann, stärkte sein ohnehin großes Selbstvertrauen. Zuvor hatte er fünf Fünfsatzmatches in Folge verloren.

Roddick in der Weltrangliste hinter Federer und Rafael Nadal auf Rang drei vor. TrotzdemWegen seines großen Selbstvertrauens ist Roddick außerhalb der USA nicht sonderlich beliebt. Seine aggressive Art hat ihm den Ruf eines Rüpels eingebracht. Auch in Wimbledon beschimpfte er in Runde zwei den Italiener Braccali nach Ungereimtheiten bezüglich der Lichtverhältnisse mit einem „F“-Wort.Zeitungen als ein „F“ mit drei Sternchen wiedergaben.Der Italiener hatte sich beschwert, weil Roddick seine Sachen gepackt hatte und einfach vom Platz ging. Erst danach soll der Stuhlschiedsrichter das Match wegen schlechter Lichtverhältnisse vertagt haben, behauptet Braccali. Roddick erklärt hingegen, das Match sei zuvor abgebrochen worden.

Es gibt nicht viele Spieler, die gerne auf der anderen Seite des Netzes stehen, wenn Roddick einen Tennisschläger zur Hand nimmt. Das liegt auch an seiner Einstellung. „Nach dem Spiel kann man ein Bier trinken gehen, aber davor gibt es keine Freunde“, sagt Roddick, „wenn du da draußen bist, versuchst du, dir gegenseitig das Hirn aus dem Kopf prügeln“. Dient ihm da die Mütze als Schutzschild?

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