Sport : Der dritte Mann

Trotz schöner Tore: Christian Rahn hat es schwer beim HSV

Karsten Doneck

Hamburg. Christian Rahn kam als Letzter in die Kabine. Er war aufgehalten worden: Interviews, Autogramme. Rahn war nach seinem Tor zum 2:1-Sieg des Hamburger SV gegen Herha BSC im Ligapokal am vorigen Donnerstag in Dessau ein begehrter Mann. Nachdem der 24-Jährige geduscht hatte, schleppte er einen Metallkoffer zum Mannschaftsbus. Leistungsträger oder Kofferträger: Christian Rahn sucht noch seine Rolle beim HSV. Heute im Ligapokal-Halbfinale gegen Bayern München in Jena (19.45 Uhr, live im ZDF) darf er jedenfalls wieder ran.

Rahn hat es schwer. Am Ende der vergangenen Saison sollte er verkauft werden. „Wir haben ihm gesagt, dass wir auf seiner Position schon zwei Spieler haben“, sagt Trainer Kurt Jara. Wer Bernd Hollerbach und Stephan Kling auf der linken Seite hat, braucht keinen Rahn mehr. Für Rahn fand sich mit dem SC Freiburg zwar ein Interessent, aber kein Käufer. Er besaß beim HSV noch einen Vertrag. Also blieb er. Und bekommt jetzt, da Hollerbach verletzt ist und Kling noch um Anschluss ringt, seine Chance. „Er hat sehr diszipliniert gespielt“, sagte Jara über Rahn nach der Partie in Dessau. Und: „Momentan steht nicht zur Debatte, dass er wechselt.“

Rahns Karriere verlief nicht geradlinig. Im Mai 2002, sein lokaler Wechsel von St. Pauli zum HSV stand gerade fest, bekam er ungeahnte Chancen. Gegen Kuwait (7:0) bestritt er sein erstes Länderspiel, über volle 90 Minuten, ein paar Tage später gegen Österreich (6:2) wurde er eingewechselt. Doch beim HSV schaffte Rahn nicht den Durchbruch. Weil Hollerbach routiniert spielte. Und weil Rahn nicht selbstbewusst genug auftrat.

Was seine Zukunft beim HSV angeht, bleibt Rahn skeptisch. „Wenn sich Hollerbach nicht verletzt hätte, würde er jetzt spielen“, sagt er. Wer aber mit spektakulären Toren wie gegen Hertha oder etwa am vorletzten Bundesliga-Spieltag per Freistoß in Bochum zum 1:1 aufwartet – kann der übersehen werden? Rahn sieht es locker. Zu seinem Tor gegen Hertha sagt er: „Das war mein schwächerer rechter Fuß. Deshalb war ich schon froh, dass ich nicht die Eckfahne getroffen habe.“

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