Der dritte Versuch : 1. FC Union: Keine Angst vorm Abschluss

Der 1. FC Union will am Sonnabend gegen Jahn Regensburg den Aufstieg perfekt machen. Trainer Uwe Neuhaus setzt dabei auf seine zuletzt harmlosen Stürmer. Wer von Anfang an spielen darf, will er aber noch nicht verraten.

Katrin Schulze
1. FC Union Berlin - SG Dynamo Dresden
Will wieder treffen. Shergo Biran.Foto: ddp

Berlin - Entspannt sind sie beim 1. FC Union. So entspannt, dass sogar eine Anspielung auf die derzeitigen Torjägerqualitäten der Stürmer erlaubt ist. „Wir haben im Training die Tore größer gemacht, damit sie besser treffen“, sagte Uwe Neuhaus. Kleiner Scherz, natürlich. Doch hinter dem verschmitzten Grinsen, mit dem der Berliner Trainer seine nicht ganz ernst gemeinte Aussage vortrug, versteckte sich auch eine statische Tatsache: In den vergangenen Ligapartien gegen Unterhaching und Sandhausen trottete der Fußball-Drittligist zweimal torlos vom Platz. Und zweimal mussten die schon angesammelten Biervorräte für die geplante Party zum Aufstieg in die Zweite Liga wieder in die Lagerräume zurückbeordert werden.

Heute soll der Aufstieg im dritten Anlauf gegen Jahn Regensburg vier Spieltage vor dem Saisonende endlich auch rechnerisch perfekt gemacht werden (14 Uhr, Jahnsportpark, live im RBB). „Ich hoffe, dass es uns jetzt gelingt“, sagt Torjäger Shergo Biran. Wer dafür die Tore erzielt, sei aber egal. Ganz so belanglos scheint die Verteilung der Sturmpositionen allerdings nicht – ist doch die Aufstellung der Angreifer eines der am besten gehüteten Geheimnisse bei den Köpenickern. „Auch diesmal werde ich nicht vorher bekannt geben, wen ich im Sturm aufstelle“, sagte Neuhaus vor dem Spiel gegen Regensburg. Zur Wahl steht wahrscheinlich eine Zweier-Kombination aus den drei Kandidaten Shergo Biran, Karim Benyamina und Kenan Sahin. In der Vergangenheit paarte der Coach die drei Angreifer immer wieder bunt durcheinander. Das hat ziemlich gut funktioniert, schließlich hat Union auf diese Weise die zweitmeisten Tore der Liga erzielt: Benyamina schoss fünfzehn Tore, Biran zehn und Sahin immerhin noch fünf.

Dass Union nun, da der Aufstieg greifbar ist, an Torschusspanik leidet, glaubt Biran jedoch nicht: „Nur weil wir zwei Spiele nicht getroffen haben, kann man nicht von einem Sturmproblem reden. Das ist Unsinn.“ Trotzdem ließ Neuhaus im Berliner Pokalfinale am Mittwoch gegen Tennis Borussia von seinen Stammspielern einzig die beiden Stürmer Biran und Benyamina von Beginn an auflaufen. Ein praktikables Mittel, um Torgefahr und Selbstbewusstsein der beiden zu steigern. Und ein erfolgreiches hinzu: Biran erzielte gegen TeBe in der Nachspielzeit den entscheidenden Treffer zum 2:1-Erfolg der Köpenicker und dürfte seinem Trainer damit eine kleine Entscheidungshilfe für die wichtige Partie am Sonnabend gegeben haben. „Vielleicht hat dieses Erfolgserlebnis einiges bei Shergo ausgelöst“, sagte Neuhaus. Und deutet damit indirekt doch schon an, dass die Aufstellung im Pokalspiel ein Indiz für die Liga gewesen sein könnte.

Zuletzt standen Biran und Benyamina in der Liga am 27. Spieltag gegen Carl Zeiss Jena gemeinsam in der Startformation. In den folgenden Begegnungen traf Benyamina nur, wenn er eingewechselt wurde. Dass Unions erfolgreichster Torschütze nicht immer berücksichtigt wurde, führten viele im Umfeld des Klubs zuletzt auch auf Differenzen mit dem Verein zurück. Benyamina, dessen Vertrag nach der Saison ausläuft, wird immer wieder mit anderen Klubs in Verbindung gebracht. Anders der 30-jährige Biran, der bei den Köpenickern noch einen Vertrag bis 2011 besitzt und zum Publikumsliebling avanciert ist.

Diese Hintergründe sollen aber heute auf dem Platz keine Rolle mehr spielen. „Wer da nun mit wem und warum zusammenspielt, entscheidet nur der Trainer“, sagt Shergo Biran. Und der Trainer gibt dem Sturmduo auch schon die nötige Herangehensweise vor. „Wichtig ist, dass wir den Aufstieg gegen Regensburg nicht mit aller Macht erzwingen wollen, sondern mit der nötigen Lockerheit an die Angelegenheit gehen“, sagte Uwe Neuhaus und lehnte sich dabei genüsslich zurück. Alles ganz entspannt eben beim 1. FC Union.

HISTORIE:
1968: Union gewinnt nach einem 2:1-Sieg über Jena den FDGB-Pokal. Es ist der größte Erfolg zu DDR-Zeiten.

1987/1988: Am letzten Spieltag rettet sich Union mit dem Tor zum 3:2 in der Nachspielzeit beim FC Karl-Marx-Stadt auf einen Nichtabstiegsplatz.

1999/2000: Die Köpenicker scheitern nach vielen Anläufen erneut in der Relegation zum Aufstieg in die Zweite Liga. Diesmal unterliegen sie dem VfL Osnabrück 8:9 nach Elfmeterschießen.

2000/01: Union sichert sich drei Spieltage vor Saisonende durch ein 1:0 gegen Rot-Weiss Essen den Aufstieg. 2001: Nach einem 6:4-Sieg nach Elfmeterschießen über Borussia Mönchengladbach erreicht Union das DFB-Pokalfinale. Dort verlieren die Berliner 0:2 gegen Schalke 04, für den Uefa-Cup sind sie trotzdem qualifiziert. ks

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