Sport : Der Dschungel von Baden-Baden

Irgendjemand muss Maradona warnen. Der ehemals beste Fußballer der Welt tauscht in dieser Woche seinen Aufenthaltsort Cali in Kolumbien gegen Baden-Baden in Baden-Württemberg ein. Nach seinem Aufenthalt bei den Drogenbaronen glaubt Maradona, dass ein Aroma-Dampfbad in Baden-Badens Caracalla-Therme für sein Abschiedsspiel am 10. November in Buenos Aires förderlich sei. Wenn er sich bloß nicht täuscht.

Baden-Baden liegt auch im Dschungel. Während der Iffezheimer Rennwoche empfiehlt es sich, die Augen immer und überall offen zu halten. Die Hüte flanierender Frauen bilden eine ständige Bedrohung für die Allgemeinheit. Auf ihren Köpfen türmen sich sämtliche Dekorationsutensilien eines KaDeWe-Schaufensters zur Weihnachtszeit, vor ihren Augen verhindern wagenradähnliche Krempen die Kontaktaufnahme mit der Außenwelt. Unachtsame Passanten drohen vom Hutrand aufgeschlitzt oder einem umkippenden Dekorations-Turm erschlagen zu werden. Auch das Fortbewegen in Baden-Baden hat Tücken. Gefürchtet ist der Fußgängerüberweg zwischen dem Kurpark und der ehemaligen Minigolfanlage. Immer wieder kommt es vor, dass sich ein Kurgast diesem Überweg nähert. Dem bedrohten Autofahrer bleibt in dieser Situation nur, sich mit Vollgas über den Zebrastreifen zu retten. Sonst wird er in den nächsten Stunden Zeuge einer Schildkrötenwanderung. Kurgast um Kurgast wird vor seinen Augen mit der jeweils individuell auf ihn zugeschnittenen Gehilfe die Straßenfurt überqueren. Manche ältere Dame wird sogar ein freundliches Lächeln auf ihren Lippen haben, was mit den weichen Drogen zusammenhängt, die in Baden-Baden gehandelt werden. Es gibt dort alles, von Rheumamitteln bis zu geriebenem Kukident. Nein, Baden-Baden wäre für Maradona nicht minder gefährlich wie Cali, Kolumbien. Jemand muss Maradona warnen.

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