Sport : Der EHF-Pokal geht nach Deutschland

Magdeburg und Essen erreichen das Endspiel

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Berlin Der Nachfolger des THW Kiel als Sieger im EHF-Pokal kommt aus Deutschland und heißt entweder SC Magdeburg oder TuSEM Essen. Die beiden Bundesligisten haben das Endspiel des Wettbewerbs erreicht und bestreiten damit das erste rein deutsche Endspiel um einen Handball-Europapokal seit 1998. Im Halbfinale schaltete Magdeburg durch ein am Ende glückliches 34:32 den Bundesliga-Kontrahenten VfL Gummersbach aus (Hinspiel 24:25), die Essener setzten sich trotz der 25:26-Niederlage am Sonntag bei Dynamo Astrachan aus Russland durch. Das Hinspiel hatten sie 31:23 gewonnen. Nationalspieler Oleg Velyky war mit sieben Treffern bester Werfer der Essener, bei denen sich Kreisspieler Dimitri Torgowanow nach einem Foul kurz vor Spielschluss die Schulter auskugelte. Wer im Endspiel zuerst Heimrecht hat, wird am Dienstag in Wien ausgelost. „Wir haben noch einiges gut zu machen gegen Essen“, sagte Magdeburgs Torhüter Johannes Bitter angesichts der beiden Bundesliga-Niederlagen in dieser Saison.

Trotz des Einzugs ins Finale verließen die Magdeburger hoch verärgert die Halle. In den letzten zehn Minuten des Halbfinales hatten sie den Erfolg allzu leichtfertig aufs Spiel gesetzt. „Das war eine Katastrophe“, schimpfte Stefan Kretzschmar. Der Linksaußen hatte in der 46. Minute mit seinem siebten von neun Treffern zum 26:16 einen Zehn- Tore-Vorsprung herausgeworfen, vier Minuten später hieß es 28:19 – doch dann ging bei den Gastgebern jegliche Konzentration verloren.

„Einige haben zu früh angefangen zu feiern“, sagte Trainer Alfred Gislason und nannte als Beispiel Nationalspieler Christoph Theuerkauf. Kretzschmar nahm sich auf dem Parkett den eigensinnigen Renato Vugrinec zur Brust. „Jeder wollte noch was für das Publikum tun. Das war egoistisch. Da haben wir aufgehört, als Mannschaft zu spielen“, kritisierte der ehemalige Nationalspieler. Und mit Blick auf die Finalspiele gegen Essen fügte Kretzschmar an: „Wir können Weltklasse spielen, wir können Kreisklasse spielen. Dass das in einem Spiel passiert, ist schon komisch. Wir sind unberechenbar, positiv wie negativ. Das ist das Gefährliche.“

Die eigentlich bereits abgeschriebenen Gummersbacher glaubten plötzlich wieder an ihre Chance. Trainer Lajos Mocsai stellte auf 3:3-Abwehr um und stiftete damit zusätzliche Verwirrung bei den siegessicheren Magdeburgern. „Wir haben gegen einen Titelkandidaten verloren. Im Leistungssport gibt es keine Wunder. Wir haben gut gekämpft“, lobte der Ungar, dessen Team am Ende auch dank des treffsicheren Alexander Mierzwa (8) nur ein Tor zum Weiterkommen fehlte.

„Wir haben mit neun Toren geführt. Da darf es nicht mehr eng werden“, erklärte Magdeburgs Nationaltorhüter Johannes Bitter. Hinter der über weite Strecken kompromisslosen und beweglichen Deckung parierte er 26 Bälle. Auch dadurch hatten die Gummersbacher in den ersten 50 Minuten nicht den Hauch einer Chance. Magdeburgs Trainer Gislason lobte: „Die ersten 50 Minuten waren mit Sicherheit das Beste, was wir diese Saison geboten haben. Das war ein super Spiel von uns. So eine starke Mannschaft wie Gummersbach in den Griff zu bekommen ist eine starke Leistung.“ dpa

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