Sport : Der eilende Tod

Warum hat das Herz des ungarischen Fußball-Nationalspielers Miklos Feher versagt?

Frank Bachner,Friedhard Teuffel

Von Frank Bachner

und Friedhard Teuffel

Berlin. Ein Fußballspieler ist tot. Er hinterlässt trauernde Angehörige, aber auch viele Fragen. Warum ist Miklos Feher auf dem Platz einfach zusammengesunken und gestorben? Ist alles versucht worden, um den 24-jährigen ungarischen Nationalspieler zu retten? Hatte er eine Krankheit oder einen Herzfehler, der das Fußballspielen für ihn zum Risiko machte?

Miklos Feher ist am plötzlichen Herztod gestorben, und damit hat eine grausame Geschichte eine Fortsetzung gefunden. Der Herztod hatte vorher schon viele andere Spitzensportler ereilt, den Deutschen Eiskunstlaufmeister Heiko Fischer etwa, den österreichischen Fußballer Bruno Pezzey und Stephane Morin, Eishockeyspieler der Berlin Capitals. Im vergangenen Sommer war der Kameruner Nationalspieler Marc-Vivien Foé beim Confederations Cup zusammengebrochen. Eine Stunde später konnten die Ärzte nur noch seinen Tod feststellen. Am Montag starb ein schwedischer Amateurfußballer von Kaevlinge GIF beim Aufwärmtraining.

Die Fragen, die sich nach ihrem Tod stellten, ähneln denen, die seit der Nacht zum Montag bei Feher im Raum stehen. In der Nachspielzeit der Begegnung zwischen Vitoria Guimaraes und seiner Mannschaft Benfica Lissabon war Feher in die Knie gegangen, auf den Rücken gefallen und reglos am Boden liegen geblieben. Er sei noch im Stadion gestorben, teilte ein Rettungsarzt mit. Sein Tod, der plötzliche Herztod, kann im Wesentlichen vier Ursachen haben. Die Herzkammerscheidewand kann verdickt sein, es kann ein Herzinfarkt vorliegen, eine Herzmuskelentzündung durch einen nicht ausgeheilten Infekt oder eine Störung der elektrischen Erregungsleitung im Herzen.

Zwei dieser Ursachen kann man mittlerweile ausschließen. Denn in der vier Stunden langen Autopsie haben die Ärzte keine Auffälligkeiten feststellen können. „Eine verdickte Herzscheidewand hätte man gesehen, einen Herzinfarkt auch“, sagt Dr. Richard Stern, stellvertretender Leiter der kardiologischen Abteilung am Berliner Urban-Krankenhaus. Es bleiben folglich noch der verschleppte Infekt und eine Störung der elektrischen Erregungsleitung des Herzens, wenngleich die letztgenannte Ursache seltener ist. Darüber sollen Laborbefunde Aufschluss geben, die jetzt ausgewertet werden. An einer Herzmuskelentzündung war schon Pezzey gestorben und auch Axel Jüptner vom FC Carl Zeiss Jena.

Nach Fehers Tod stellt sich die Frage, wann in Deutschland wieder mit solch einem Fall zu rechnen ist. „Generell kann man so etwas nie ausschließen“, sagt Professor Franz Böhmert, der 33 Jahre lang Chefarzt der Bremer Klinik Links der Weser war und Aufsichtsratsvorsitzender des Fußball-Bundesligaklubs Werder Bremen ist. Allerdings ist das Risiko in der Bundesliga reduziert. „Wir haben die bestmöglichen Vorsorgemaßnahmen“, sagt Götz Dimanski, der Bremens Mannschaftsarzt und Mitglied der sportmedizinischen Kommission des Deutschen Fußball-Bundes ist. Das Herz jedes Spielers wird jedes Jahr mit Ultraschall untersucht. Damit kann frühzeitig eine Verdickung der Herzscheidewand entdeckt werden. Kardiologe Stern empfiehlt in diesem Fall ein sofortiges Ende des Leistungssports.

Mit einem Belastungs-EKG kann zudem das Risiko eines Herzinfarkts verringert werden. Wer auffällige Werte hat, wird von den Ärzten intensiv untersucht. In Bremen versucht Dimanski auszuschließen, dass ein Spieler Opfer eines verschleppten Infekts wird. Bei Spielern, die eine Grippe hatten, misst er sofort die Herzfrequenz im Ruhezustand. Liegt sie über einem kritischen Wert, wird der Profi aus dem Training genommen. Aber auch Doping kann zum Herztod führen.

Miklos Feher soll in dieser Woche in seiner Heimat beigesetzt werden. Seine Kollegen von Benfica Lissabon werden zur Beerdigung nach Ungarn fliegen.

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